Die Christenverfolgung in Indien nimmt immer mehr zu. Erfahre hier, was in diesem Land los ist und wie du konkret helfen kannst.

Als wir mit den Verantwortlichen unserer Partnermission in Indien telefonierten, sagten sie uns eindringlich: „Wir brauchen mehr denn je eure Gebetsunterstützung!“ Denn die Christenverfolgung in Indien nimmt dramatisch zu. 2015 lag Indien noch auf Platz 28 der Länder, in denen Christen am stärksten bedrängt werden. Heute steht Indien an Platz 11!

Vielleicht ist für uns die „11“ nur eine Zahl ohne große emotionale Auswirkung, weil wir keine Ahnung haben von Christenverfolgung dieser Art. Doch in den Medien kann man viel darüber lesen. Isolde und ich waren selbst einige Mal in Indien. Wir sehen die Entwicklung mit Besorgnis. In den letzten fünf Jahren hat sich das Land sehr zum Negativen entwickelt. Die Aktivitäten der Christen beschränken sich fast nur noch auf die Gelände der christlichen Organisationen.

Allerdings sind das nicht wie in Deutschland nur Kirchengebäude mit einem Gottesdienst am Sonntag, sondern zumindest in unserer Organisation geschieht hier weitaus mehr. Unsere 25 Schulen besuchen jeweils zwischen 100 und 500 Kinder aller Religionen. Die Kinder bekommen den christlichen Glauben nahegebracht. Niemand wird hier gezwungen, doch bis auf wenige Ausnahmen finden die Schüler hier zum Christentum. Sonntags wird die Schule zur Kirche und die Eltern sehen den Unterschied zu ihrer Religion.

Blindenschule Indien Missionswerk Karlsruhe
Beim letzten Besuch in unserer Blindenschule trafen wir unsere langjährige Indien-Missionarin Huldah Buntain (vorne sitzend).

Gewalt gegen Christen stark zugenommen

In Indien leben 1,3 Milliarden Menschen, die etwa 22 Hauptsprachen und über 1500 andere Sprachen und Dialekte sprechen. Offiziell ist Indien die größte säkulare Demokratie. Doch seit dem Machtantritt von Premierminister Modi im Jahr 2014 hat die Gewalt gegen Christen stark zugenommen. Seine Partei ist der politische Arm des rechten Flügels nationalistischer Hindugruppen. Das mündete in wachsende Feindseligkeit gegenüber den Minderheiten im Land.

Besonders die Christen wurden in einigen Teilen des Landes zur Zielscheibe. Vor allem Mitglieder radikaler hinduistischer Gruppen stecken Kirchen und Bibeln in Brand, bedrängen Pastoren und begehen auch Morde. Besonders gefährdet sind Menschen, die vom Hinduismus zum Christentum gewechselt sind. Anti-Bekehrungsgesetze machen es in einigen Teilen des Landes sehr schwierig, offen auf das Evangelium zu reagieren. Tragisch und gefährlich ist, dass immer weniger Straftaten gegen Christen bestraft werden. Für die Verfolger ist das eine Ermutigung weiterzumachen.

„Jetzt erst recht“

Als ich vor ein paar Jahren zu den 700 Pastoren der nordindischen Gemeinden reden durfte, war gerade Entsetzliches geschehen: Ein Pastor war an seiner Kirche aufgehängt und von seiner Frau gefunden worden. Doch die Reaktion der Pastoren war erstaunlich. Sie sagten: „Jetzt erst recht! Jetzt gehen wir erst recht für Jesus voran!“ Was würden wir wohl in einer solchen Situation sagen und tun? Würden wir weitermachen oder aufgeben?

Häufig geschieht es, dass Christen etwas in die Schuhe geschoben wird, das sie nicht begangen haben. In Puri, im Nordosten Indiens, war ein Tempel in Brand gesteckt geworden und man beschuldigte die dortigen Christen und tötete sie. Als sich die Meute auf unseren Pastor Hota stürzen wollte, stellten sich die Eltern von Kindern, die in unseren Projekten betreute werden und die dem Hinduglauben angehören, schützend um ihn und sagten: „Dieser Mann hilft unseren Kindern und uns!“

Wir selbst haben so einen Ausnahmezustand schon einmal in Kalkutta erlebt. Es wurde ausgerufen, wer auf die Straße gehe, werde erschossen. Wir mussten aber dringend von unserer Unterkunft zum Mercy Hospital gelangen, um die wertvolle Zeit in Indien zu nutzen. Man hat uns dann mit dem Krankenwagen dorthin gefahren und der Anblick war erschreckend: In der Millionenstadt Kalkutta, die sonst überfüllt ist und kaum alle Menschen fasst, war niemand auf der Straße zu sehen.

Die Armen und Schwachen brauchen unsere Hilfe

Zu all der Verfolgung kommt noch hinzu, dass man in Indien Hilfsbedürftige nicht wertschätzt wie bei uns. Es scheint uns undenkbar, aber in Indien scheint man einen Armen oder Kranken lieber tot zu sehen, als dass man ihm Hilfe ermöglicht. Blinde und Leprakranke werden wie Müll behandelt. Umso wichtiger ist unser Gebet für die Christen in Indien. Die Arbeit gut funktionierender christlicher Einrichtungen wie Schulen, Kliniken und Waisenhäuser wurde außerdem durch neue Vorschriften stark eingeschränkt und behindert.

Wir werden manchmal gefragt, ob es richtig ist, mit dem Namen „Missionswerk“ soziale Hilfe zu leisten. Doch wenn ich heute hier sitze und diese Zeilen schreibe, frage ich mich: Wie könnte Hilfe effektiver und mehr in Gottes Sinne sein, als die Arbeit unserer Schulen dort finanziell und im Gebet zu unterstützen? Geschwister, Kinder, Menschen brauchen unsere Hilfe! Machen wir die Augen zu und überlassen alles dem Zufall? Gott kann jeden gebrauchen, um in Indien eine Veränderung zu schaffen!


Daniel Müller, Leiter des Missionswerk

Wir bitten um Gebet

… für die Familien, die diese ungeheure Verfolgung wegen ihres Glaubens erfahren,

… für die Pastoren, dass Gott ihnen Mut und Erkenntnis gibt,

… für Lebensunterhalt, Weisheit und Schutz für die Christen,

… dass die Regierung die richtige Entscheidung trifft, um Unschuldige zu schützen und die Täter dieser geistlosen Gewalt zu verhaften,

… dass die Christen vergeben können und die Wahrheit triumphieren wird.

Wir danken dir herzlich für deine Gebete!

Bitte unterstütze unsere soziale und missionarische Arbeit in Indien und weltweit auch durch eine Online-Spende.

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