Was ist Glaube? Isolde Müller zeigt dir an Beispielen aus der Bibel, wie lebendiger, hoffnungsvoller Glaube an Gott aussieht und wie du ihn bekommen kannst.

Oftmals beten wir: „Herr, mach doch dieses und jenes …“ – und dann warten wir, wie sich die Sache entwickelt. Insgeheim denken wir: Wahrscheinlich wird nichts geschehen, aber Beten kann ja auch nicht schaden. – Kann man eine solche Haltung wirklich Glauben nennen? Doch was ist Glaube?

Ein lebendiger Glaube ist nicht bloß passiv und abwartend. Glaube rechnet mit dem, was die Bibel verspricht. Aus einem lebendigen Glauben heraus können wir voller Zuversicht sagen: „Du, Jesus, wirst mir helfen. Du wendest alles zum Guten. Du hast Mittel und Wege und lässt mich nie im Stich.“ Ein solches vertrauensvolles Denken und Beten ist eine ganz andere Grundlage, als nur abzuwarten, ob vielleicht – entgegen unserer Annahme – doch etwas geschieht.

Wünsche bekennen

In Markus 10,46-52 lesen wir die Geschichte von einem Blinden namens Bartimäus. Er saß vor den Stadttoren Jerichos am Weg. Jesus war mit seinen Jüngern in Jericho gewesen und als sie die Stadt wieder verließen, zogen viele weitere Anhänger mit ihnen durch die Tore hinaus. Die große Menschenmenge, die Unterhaltungen, den Lärm hörte auch Bartimäus. Irgendwie bekam er mit, dass alle wegen Jesus hier waren. Jesus, der berühmte Rabbi, lief an ihm vorbei! Die Gelegenheit wollte er sich nicht entgehen lassen. Er fing laut an zu rufen und zu schreien: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“ Viele versuchten ihn zum Schweigen bringen und bedrohten ihn sogar, still zu sein. Aber er ließ sich nun nicht mehr abhalten, sondern schrie umso lauter: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“

Dann lesen wir im Text, dass Jesus stehenblieb und sagte: „Ruft ihn!“ Die Leute riefen dem Blinden zu: „Sei guten Mutes! Steh auf, er ruft dich!“ Sicher war Bartimäus überrascht und erfreut. Er warf sein Gewand ab, sprang auf und lief zu Jesus. Und Jesus sah ihn an und stellte ihm eine Frage: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Wir lesen nicht, ob Bartimäus verblüfft darüber war oder ob er stammelte, wir lesen nur, dass er antwortete: „Rabbuni, dass ich sehend werde.“ Daraufhin sagte Jesus zu ihm: „Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt!“ Und Bartimäus wurde sehend und folgte Jesus auf dem Weg nach.

Jesus stellte ihm eine seltsame Frage. Er war blind und Jesus fragte ihn: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Aber Bartimäus antwortete: „Dass ich sehend werde.“

Aktiver Glaube bedeutet, dass wir bekennen, was wir erwarten, dass wir positiv aussprechen, was wir uns von Jesus wünschen.

Nicht nur mit einem „vielleicht“ und ohne rechte Erwartung. Bartimäus ließ sich nicht abhalten, obwohl die Umstehenden ihn sogar bedrohten. Das war ihm egal. Er sprang auf und kam. Das gilt auch heute: Lass dich nicht abhalten, zu Jesus zu kommen! Mach dich auf, werde aktiv.

Handelnder Glaube

Jesus sagte zu Bartimäus: „Dein Glaube hat dich geheilt!“ Jesus hat nicht auf seine Blindheit reagiert, sondern auf seinen Glauben. Es ist ganz egal, welche Krankheit du hast oder welche Sorgen und Nöte. Gott reagiert auf deinen Glauben. Dasselbe Prinzip sehen wir bei der blutflüssigen Frau in Markus 5,34: „Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich geheilt; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.“ Auch diese Frau hatte einen aktiven Glauben, davon lesen wir in den Versen 27 und 28. Sie kam zu ihm und rührte sein Gewand an und sagte: „Wenn ich nur seine Kleider anrühre, werde ich geheilt werden.“ Wir lesen, dass sie „kam“ und „sagte“ – sie machte sich auf und sie bekannte ihren Glauben. In jedem Bekenntnis steckt schon Glaube. Positiv wie negativ.

Das, was wir aussprechen, das glauben wir und danach handeln wir.

Sehr eindrücklich sehen wir das auch in der Geschichte von dem Gelähmten, den seine Freunde vom Dach zu Jesus herunterließen. Wir lesen davon in Lukas 5,19 und 20. Die Freunde deckten das Dach ab und ließen das Bett im Haus direkt vor Jesus herab. Dann heißt es: „Und als er ihren Glauben sah …“ In ihrem Handeln erkennt Jesus ihren Glauben. Bekennen und Handeln gehören beide zu einem aktiven Glauben.

Verankerte Hoffnung

Nicht immer sehen wir, dass auf unser Gebet hin etwas geschieht. In unseren Beispielen hat Jesus immer sofort reagiert und geheilt. In unserem Leben scheint Gottes Hilfe manchmal auf sich warten zu lassen und wir sehen keine Veränderung – obwohl wir glauben. Doch zum Glauben gehört es gerade weiter festzuhalten, obwohl wir nichts sehen. In Hebräer 11,1 lesen wir: „Der Glaube aber ist eine Grundlage dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.“

Glaube bedeutet, darauf zu vertrauen, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird.

Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Wir hoffen nicht im Sinne von: „Wahrscheinlich wird es nicht geschehen, aber vielleicht doch – warten wir mal ab.“ Die Bibel meint die Hoffnung, die mit Gott rechnet! In unserem Herzen soll die Überzeugung verankert sein: „Ich weiß, dass mein Gott lebt. Ich weiß, dass er alle Macht hat. Ich weiß, dass er mir zur Seite steht und ich weiß, dass die Lösung kommt zur rechten Zeit!“ Hoffnung, die mit Gott rechnet, ist nichts anderes als Glaube. Und andersherum führt eine Hoffnung ohne Glauben ins Nichts. Hoffnung ohne Glauben sagt: „Wahrscheinlich wird es nicht geschehen, es kann gar nicht sein.“ Doch wir wissen aus der Bibel von vielen Beispielen, dass bei Gott nichts unmöglich ist.

Zahlreich wie Sterne

In Römer 4 lesen wir von Abraham. Paulus schreibt über die Zusage, die Gott Abraham und seinen Nachkommen gab: Sie sollten die ganze Erde zum Besitz erhalten. Und zwar deshalb, weil Abraham glaubte. „Obwohl nichts mehr zu hoffen war, hielt er an der Hoffnung fest und vertraute darauf, dass Gott ihn zum Vater vieler Völker machen werde. Denn Gott hatte zu ihm gesagt: ‚Deine Nachkommen werden so zahlreich sein wie die Sterne.’“ Abraham, fast hundertjährig, wusste genau, dass Sarah und er nicht mehr fruchtbar waren. Trotzdem zweifelte er nicht an Gottes Zusage, vielmehr wurde sein Glaube nur umso fester. In Vers 18 heißt es: „… der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde …“

Menschlich gab es hier keine Hoffnung – beide waren zu alt –, aber Abraham hat auf Hoffnung hin geglaubt – und es ist geschehen. Das ist Hoffnung, die mit Gott rechnet. Das ist Glaube. Und deshalb stellt Paulus ihn hier als Vorbild hin. Einem solchen Glauben sollen wir nacheifern. Gott handelt auf Glauben hin. Er reagiert auch auf deinen Glauben. Und er kommt nie zu spät!

Isolde Müller, Leiterin des Missionswerks

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