«In christliche Bildung zu investieren, ist das beste Erbe.«

Ein Interview mit Wolfgang Stock vom Verband Evangelischer Bekenntnisschulen

 

Wir wollen in die nächste Generation investieren und gründen eine Schule auf dem Gelände des Missionswerk. So wollen wir einen Ort schaffen, an dem Kinder und Jugendliche auf der Grundlage christlicher Werte geprägt und begleitet werden.

Die Planung einer Schule erfordert viel Vorbereitung und fachliche Planung. Dafür haben wir einen Mann mit viel Erfahrung und Expertise an unserer Seite: Professor Dr. Wolfgang Stock leitet den Verband Evangelischer Bekenntnisschulen.

Im März haben wir uns im Inspiration Center mit ihm zum Interview getroffen – und gemeinsam auch für dieses besondere Vorhaben gebetet. Schon in den ersten Minuten war spürbar: Wolfgang Stock sprudelt vor Freude, Vision und kreativen Ideen für diese Schule. Seine Begeisterung ist ansteckend und macht uns Mut, die nächsten Schritte mit Zuversicht und Erwartung zu gehen.

Sie haben über 150 christliche Schulen in Deutschland initiiert oder begleitet. Was treibt Sie dabei persönlich an?

Heute gibt es nur noch wenige bekennende Christen an staatlichen Schulen und seit mehr als zehn Jahren ist es Lehrern dort sogar verboten, über ihren Glauben zu sprechen – denn damit würde der „Schulfriede gestört“. Ein Kind aus gläubiger Familie wird in einer staatlichen Schulklasse heute nicht selten gemobbt. Da ist es ein Segen, dass unsere Verfassung nicht nur Schulen auf biblischer Grundlage und mit ausschließlich gläubigen Lehrern erlaubt, sondern sie sogar noch mitfinanziert.

Welche Werte werden in christlichen Schulen bewusst gestärkt?

Erziehung und Bildung hängen zuallererst von Vorbildern ab. An einer christlichen Schule nach unserem Verständnis arbeiten nur gläubige Christen, vom Hausmeister bis zum Direktor. Jeder Schultag fängt mit einer biblischen Andacht an. Der Unterricht ist – wo es passt – von der Bibel und dem persönlichen Bekenntnis des Lehrers geprägt. Und das muss gar nicht heimlich geschehen, sondern ist Pflicht: Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem wegweisenden Urteil entschieden, dass in einer evangelischen Bekenntnisschule das evangelische Bekenntnis täglich spürbar sein muss – sonst müsste sie geschlossen werden! An unseren Bekenntnisschulen finden Kinder und ihre Familien Rollenvorbilder und gelebtes Christentum. Kinder aus gläubigen Familien erleben die Fortsetzung des Glaubenslebens von zu Hause. Kinder aus nichtgläubigen Familien kommen vielfach zu uns, weil unsere Schulen gut sind. Sie lernen Jesus und die Bibel kennen. 

Welche Rückmeldungen hören Sie von Eltern, die sich bewusst für eine christliche Schule entscheiden?

Für gläubige Familien sind unsere Schulen eine Gebetserhörung, viele wählen sogar bei einem beruflichen Wechsel den Wohnsitz entsprechend. Und nicht-gläubige Eltern sind erstaunt, dass Schule so wertschätzend, persönlich zugewandt, gewaltfrei und zugleich doch leistungsorientiert sein kann.  

Wie verändert ein christliches Menschenbild den Umgang mit Leistung, Schwäche und Scheitern?

An unseren Schulen sind Schulnoten von einem bestimmten Alter an vorgeschrieben, aber niemand, vor allem kein Lehrer, definiert Kinder nach ihrer Leistung. Gott liebt jedes Kind, auch mit seinen Schwächen. Scheitern an Noten gibt es bei uns nicht. Oft sind unsere Schulen sogar die letzte Hoffnung der Jugendämter für Kinder, die an staatlichen Schulen „gescheitert“ sind. 

Können Sie beschreiben, wie sich das Schulklima in christlichen Schulen anfühlt?

Auch bei uns gibt es Herausforderungen, Stress und manchmal Konflikte. Aber unter Christen kann man damit ganz anders umgehen als anderswo. Weil wir auch Kinder aus Familien aufnehmen dürfen, die unser Bekenntnis erst noch kennenlernen wollen, sind wird eines der größten Missionswerke in Deutschland.

Gibt es Beispiele von Absolventen, die besonders zeigen, was diese Schulform bewirkt?

Da habe ich eine Schülerin vor Augen, die an einer staatlichen Schule in einer Großstadt unglücklich war und in unsere Schule kam, dort schließlich ihr Abitur machte. Sie kam, ohne von Jesus zu wissen, bekehrte sich, wurde an ihrer Universität Organisatorin des Gebetskreises und Hauskreisleiterin. Jetzt hat sie gerade ihre Medizin-Examen bestanden und ist Ärztin.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Lehrern, die an christlichen Schulen arbeiten?

Unsere Schulen sind mit ausreichend Lehrern gesegnet – ganz anders als staatliche Schulen. Einige von uns haben sogar Wartelisten von Lehrern.

Wie kann eine christliche Schule hier zu einem Leuchtturm für die Stadt werden? 

Wir werden „klein“ anfangen und tun, was jeder Nachfolger Jesu und jede Gemeinde tut – ihn bezeugen. Alles weitere wird er schenken.

Was bewirkt eine Investition in eine christliche Schule gesellschaftlich gesehen?

Der frühere Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde hat vor 60 Jahren schon erkannt: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann“. Deshalb schätzen zum Beispiel Politiker unsere Schulen: Hier werden die Werte gelebt und weitergegeben, auf die unser Staat nicht verzichten kann.

Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, in dieses Schulprojekt zu investieren?

In der heutigen Zeit in christliche Bildung und biblische Werte zu investieren, ist das beste Erbe, das man hinterlassen kann. Bekenntnisschulen können nur mithilfe von Spenden entstehen, denn die ersten drei Jahre gibt es keinerlei staatliche Zuschüsse. Wir dürfen da immer wieder unglaubliche Wunder erleben!

Wie werden Sie sich für die christliche Schule engagieren?

Ich werde mich da sehr, sehr gerne mit all meiner Erfahrung investieren. Ich werde im September in meinem bisherigen Auftrag als Generalsekretär des Verbands evangelischer Bekenntnisschulen entpflichtet und habe deshalb viel Zeit für dieses Herzensanliegen!

Zukunftsprojekt christliche Schule

Immer wieder haben uns Freunde darauf hingewiesen, dass praktische Hilfe nicht nur im Ausland wichtig ist, sondern ebenso hier in Deutschland. Diese Sicht teilen wir von Herzen. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir nun konkret mit einem Schulprojekt starten können – in dem Wunsch, jungen Menschen eine starke biblische Grundlage für ihr Leben zu geben und gleichzeitig einen nachhaltigen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten.

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