
Neue Kraft in neuer Zeit
Es ist ganz offensichtlich: Wir stehen in einer neuen Zeit. Die Zeit zurückzudrehen, ist nicht möglich, und so ist es unumgänglich, sich neu auszurichten. Genau das haben wir in der Gebetsnacht – die diesmal am Tag stattfand – getan.
Das Motto „Neue Zeit – Neue Kraft“ beschreibt treffend, was wir miteinander erlebt haben: Gottes Kraft in einer neuen Zeit. Die Erfahrungen, die jeder einzelne Besucher machen durfte, sind so vielfältig, wie es auch die individuellen Gebetsanliegen waren. Gottes Wirken war vom ersten Moment an spürbar.
Mit dem Lied „Amazing Grace“ eröffneten Rahel und die Band den Nachmittag. So wie einst John Newton in diesem Text formulierte, ist es die kostbare Gnade Gottes, die uns gerettet hat, uns so weit gebracht hat und die uns nach Hause bringen wird – und genauso ist es auch in neuen Zeiten die Kraft der kostbaren Gnade, die uns aufrichtet. Der Einstieg in die gemeinsame Gebetszeit hätte kaum passender sein können.


Papierblumen
Ja, auch beim Schreiben und Lesen fühlt es sich ungewöhnlich an, eine Veranstaltung Gebetsnacht zu nennen, wenn sie am Nachmittag stattfand. Doch nach 30 Jahren Gebetsnacht fällt es nicht leicht, dieses etablierte Format anders zu benennen. Fast dreißig Jahre lang startete die Gebetsnacht um 22 Uhr und ging dann ohne Pause bis zum Morgen mit gemeinsamem Frühstück als Abschluss. Wegen der Anpassungen aufgrund der Pandemie und wegen der Auflagen entstanden 2020 die Online-Gebetsnächte.
Mit großer Vorfreude haben wir nun der Gebetsnacht, die endlich wieder mit Besuchern vor Ort stattfinden konnte, entgegengefiebert. Gemeinsam mit 500 Menschen in der Kathedrale und zugleich vielen Tausenden Freunden online war dies unsere erste hybride Gebetszeit. Während der Pandemie hatten wir über unterschiedliche Wege über das Internet zu unseren Freunden Kontakt. Doch so gut auch die Kommunikation gelungen ist, so wenig möglich war es natürlich beispielsweise auf einen prophetischen Impuls oder auf die Einladung zum Gebet hin nach vorne zu kommen, wenn man irgendwo vor einem Bildschirm saß. Und dennoch haben uns etliche Male Rückmeldungen erreicht, dass ein prophetischer Zuspruch jemandem galt, der online verbunden war.
Diesmal hatte jeder zur Begrüßung eine Papierblume bekommen und Daniel Müller lud später dazu ein zu notieren, wofür Gott neue Kraft schenken soll – und diese Blume dann ans Kreuz zu heften. Parallel dazu konnten die Online-Besucher digital eine Frage beantworten und auf diesem Weg ihre „Blume“ ans Kreuz bringen. Auch wenn es ergreifend war, physisch vor dem Kreuz mit vielen hundert Menschen zu stehen, so war es doch für Gott unbedeutend, wie das Thema zu ihm gebracht wurde. Wichtig war, dass es im Glauben und mit Erwartung zu ihm gebracht wurde. Gott schenkte uns dazu einen offenen Himmel.
Die Predigt von Isolde Müller „Jeden Tag neue Kraft“ baute im Glauben auf und ermutige, die Kraft Gottes ganz praktisch zu ergreifen. Pastor Acheampong Sampson verstärkte diese Dynamik weiter. Mit seiner seiner herzlichen und mitreißenden Art veranschaulichte er bewegend, wie sich Gottes Kraft entfaltet, wenn wir mit Christus verbunden sind. In dieser Glaubensatmosphäre haben viele Mut gefasst und im Glauben Schritte gewagt, wie sie uns anschließend berichteten.




Friedensstifter
Auch für den Frieden und um neue Kraft für Friedensstifter wurde gebetet. In dieser Zeit braucht es Menschen, die sich von Gott gebrauchen lassen und die Bürde mittragen, gegen Gewalt, Ungerechtigkeit und Unfrieden einzutreten. Frieden stiftet man nicht einfach nebenbei und es braucht eine neue Kraft, denn für viele stellt die Dimension, in der wir diese Verantwortung übernehmen müssen, eine noch völlig neue Größenordnung dar. In diesem Bewusstsein gab es die Gelegenheit, für unsere Nation im Gebet einzustehen und eine neue Kraft für Friedensstifter freizusetzen. In Einheit standen wir für Frieden in der Ukraine und in anderen internationalen Konfliktregionen ein und leisteten Fürbitte für die Obrigkeit.
Auch die Jugend war lebendig vertreten. Sie veranschaulichte die Notwendigkeit einer neuen Herzenshaltung. Denn es ist die Herzenshaltung, auf die Gott schaut und die es möglich macht, aus Kraftlosigkeit herauszutreten und Gottes Kraft neu zu empfangen. Auch dieser anschauliche Beitrag von Dörte ging tief in die Herzen und viele folgten der Einladung des Altarrufes. Mit dem Lied „Frei sein“ proklamierte die Jugend gemeinsam mit allen den Wunsch, von Gott erfüllt zu sein.
Das gemeinsame Abendmahl bildete den Höhepunkt und den Abschluss der Gebetszeit. So bekannt es auch ist, dass Gott uns im Abendmahl in seiner Kraft begegnet, so mächtig war dennoch die Erfahrung, das Mahl des Herrn wieder einmal gemeinsam
mit 500 Menschen zu feiern. Es war spürbar, dass Gott in unseren Herzen neu die Gewissheit verankerte, dass in der neuen Zeit, in der wir leben, seine Kraft unverändert ist. Es ist sein Sieg am Kreuz, der für alle Zeiten gilt, und er ist derselbe gestern, heute und
in Ewigkeit.
Mit dieser Gewissheit im Herzen ging die „Gebetsnacht“ zu Ende und es bleibt nur dem großen Team der Ehrenamtlichen von über 80 Personen von ganzem Herzen zu danken. Ohne den unermüdlichen Einsatz jedes Einzelnen wäre der Ablauf nicht so unbeschwert möglich gewesen. Danke für euren Krafteinsatz in dieser neuen Zeit und den Segen, den ihr dadurch freigesetzt habt!
Thomas Inhoff, Missionswerk Karlsruhe

Gebetsnacht an Karfreitag
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