Spenden

Manche Enttäuschung geht uns noch lange nach. Isolde Müller ermutigt dich, sie ehrlich mit Gott zu betrachten.

Kürzlich habe ich einen Satz gelesen, in dem viel Wahrheit steckt: „Glaube ist, Gott zu vertrauen, wenn das Leben keinen Sinn ergibt.“ Situationen, die keinen Sinn zu ergeben scheinen, kennen wir alle. Wir haben uns das Leben ganz anders vorgestellt und es hat eine Wendung genommen, mit der wir gar nicht gerechnet haben. Vielleicht hast du deinen Arbeitsplatz verloren, bist krank geworden, musstest den Verlust eines geliebten Menschen verkraften, wurdest von deinem Partner verlassen oder fragst dich, warum deine Arbeitskollegen so ablehnend sind. Es gibt viele Warums in unserem Leben. Sie ergeben keinen Sinn für uns und wir werden sie vielleicht nie verstehen. Doch gerade jetzt heißt Glauben, Gott unser Vertrauen zu schenken, weil er vertrauenswürdig ist.

Enttäuschungen

Im Laufe unseres Lebens erleben wir viele solcher Enttäuschungen, Verletzungen und Niederlagen. Manche sind kleiner, manche größer. Oft wollen wir uns gar nicht eingestehen, dass sie uns noch länger beschäftigen. Niemand spricht gerne darüber. Manchmal erwarten wir auch unbewusst voneinander, dass wir nach einem Verlust schnell wieder funktionieren. Und doch wirken versteckte Enttäuschungen oft noch lange nach. Versteckte Enttäuschungen sind solche, die sich tief in unsere Seele eingegraben haben. Sie hemmen und blockieren uns oft ein Leben lang, weil wir uns selbst die Schuld dafür geben oder Gott oder unseren Mitmenschen. Aus diesen verborgenen Gefühlen der Enttäuschung entstehen manchmal Groll oder Bitterkeit, manchmal sogar Hass. 

Wenn du nicht verstehst, warum dir etwas passiert ist und du in einem Loch sitzt und kein Ende im Tunnel siehst, darfst du deine Hand nach Gott ausstrecken. Gib dich nicht deinen Enttäuschungen hin und wirf deine Träume nicht weg. Lass nicht zu, dass Gefühle der Verlorenheit dich überrollen oder Bitterkeit in deinem Leben Platz gewinnt.

Wahrnehmen

Es ist wichtig, deine versteckten Enttäuschungen wahrzunehmen und nicht im Verborgenen zu belassen. Wenn wir merken, dass wir missmutig, deprimiert oder zornig über eine Situation oder ein Erlebnis werden, ist es an der Zeit, uns die Sache gemeinsam mit Gott anzuschauen. Erzähle ihm, was dich beschäftigt. Schildere ihm deine Gefühle. Denke vor ihm darüber nach, warum die Gefühle da sind und warum sie bisher im Verborgenen sind.

Vertrauen

Gott weiß, wie du dich fühlst. Du darfst ihm vertrauen, dass er an deiner Seite ist. Und wenn es auch noch so schlimm aussieht im Moment: Er ist nicht ratlos und sieht auch nicht tatenlos zu. 

Fragen

So wie David in den Psalmen Gott ehrlich seine Fragen und Klagen bringt, so dürfen wir danach fragen, warum nicht alles nach unseren Vorstellungen läuft, warum unsere Erwartungen nicht so in Erfüllung gehen, wie wir es gerne hätten. Nicht immer werden wir alle Antworten darauf finden. Aber die Bibel zeigt uns einige Begründungen.

1. Gottes Größe

In Jesaja 55, 8-9 lesen wir Gottes Selbsterklärung:

„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken“

 

Gott ist größer als wir. Wir können nicht alle seine Gedanken erfassen. Manche Biegungen, Kurven, Enttäuschungen, Verluste und Verletzungen auf unserem Weg liegen darin begründet, dass wir Gottes Plan nicht immer verstehen und dass seine göttliche Perspektive viel größer ist als unsere. Wer auf einem Berg steht, erkennt, dass der kürzeste Weg durch den Wald führte. Wer im Wald steht, sieht vielleicht nur die Dunkelheit.

2. Gottes Lektionen

Eine andere Begründung finden wir in Jesaja 48,17:

„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt zu deinem Nutzen, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst.“

 

Gott möchte, dass wir wachsen und reifen. Wir sollen lernen aus dem, was uns passiert – und zwar zu unserem Nutzen. Ich selber war schon in Situationen, die ich niemandem wünsche und ich war auch schon dem Tod nahe. Im Rückblick kann ich sagen: Gott hat alles gut gemacht! Manchmal erleben wir Zeiten der Prüfung, die uns helfen, uns an den Platz zu bringen, an dem Gott uns haben will. Gott will deinen Charakter formen. Er will, dass du geistliches Rückgrat bekommst und standfest wirst im Glauben. Er möchte, dass du dein Vertrauen auf ihn setzt. Manchmal geschieht es durch Enttäuschungen, mit denen wir umgehen müssen. 

Auch David erlebte Verletzungen und Schmerzen. Sein Problem war Saul, der ihm nachstellte und Böses wollte. Einige Male hätte David die Gelegenheit gehabt, ihn und damit das Problem zu beseitigen. Doch er wollte kein Unrecht tun. Er hat das Richtige gewählt. Vielleicht hat er gedacht: ‘Gott, warum lässt du das zu? Du hast doch mich ausgewählt als König. Was für eine Enttäuschung!‘ Doch indem David das Richtige tat, wurde sein Charakter geschult und er wurde zu einem Freund Gottes. David schrieb:

„Beharrlich habe ich auf den Herrn geharrt, und er hat sich zu mir geneigt und mein Schreien gehört. Er hat mich heraufgeholt aus der Grube des Verderbens, aus Schlick und Schlamm; und er hat meine Füße auf Felsen gestellt, meine Schritte fest gemacht.“ Psalm 40,2–3

 

David vertraute Gott und Gott kümmerte sich um die Situation: Er machte David zum König über Israel.

3. Gottes Anfänge

Ein Prinzip in Gottes Schöpfung können wir am Weizenkorn beobachten:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12,24

 

1 Saatkorn muss zuerst in die Erde, in die Dunkelheit, bevor es wächst und wunderbare Frucht bringt! Jesus sagt das auch über sich selbst – und sein Sterben wurde zur größten Frucht, die ein Mensch überhaupt bringen kann. Ähnlich erkennen wir es am Wunder der Brotvermehrung: Das Brot wurde zerbrochen und dann vermehrte es sich für Tausende von Menschen. Manchmal sind Enttäuschung, Verlust und Dunkelheit notwendig, damit ein neuer Anfang entstehen kann.

Unser Vertrauen

Auch in der Bibel lesen wir von vielen Menschen, deren Leben nicht so verlief, wie sie es gewünscht oder erhofft hatten. Wie sehr wünschten sich doch Abraham und Sara ein Kind. Davon handelten bestimmt vorrangig ihre Gebete. Doch nichts tat sich. Man kann sich ihre von Jahr zu Jahr wachsende Enttäuschung gut vorstellen. Viel Druck baute sich auf um den ersehnten Erben, bis sie die Hoffnung wegen ihres hohen Alters aufgaben. Doch dann erhielten sie noch die Verheißung: Nächstes Jahr würde ihr Wunsch in Erfüllung gehen! 

Mit unseren Enttäuschungen im Herzen sind wir oft entmutigt und sagen: Wie soll das gehen? Sara erging es genauso. Ein ungläubiges Lachen war in ihrem Herzen! Und doch stand Gott zu seinem Versprechen und verwandelte den Schmerz in Freude. 

Richte deinen Blick auf das, was Gott tun kann und bleib nicht hängen in deinem Schmerz. Lass deine Enttäuschungen und Entmutigung nicht zu Unglauben werden. Denn Gott kann mehr tun, als wir für möglich halten. Du kannst sagen: „Gott, ich verstehe das nicht, aber ich vertraue dir!“ Konzentriere dich nicht auf das Problem, lass nicht zu, dass es sich aufbauscht, sondern vertraue Gott für eine Lösung. Denn Gott hat dich nicht vergessen. Er hat das letzte Wort. 

Unsere Chancen

Psalm 23 beschreibt das sehr schön: Weil Gott selbst uns durch das finstere Tal führt, brauchen wir kein Unglück zu fürchten. Anschließend bereitet er uns einen Tisch des Überflusses. Zuerst kommt das Tal und dann der Überfluss. Vielleicht wünschen wir uns nur den Überfluss und nicht das Tal. Doch wenn wir voller Glauben und Vertrauen mit ihm das Tal durchschreiten, gelangen wir an den Tisch, der für uns gedeckt ist. Ein Tisch „im Angesicht meiner Feinde“ heißt es im Psalm. Alle werden sehen, dass Gott uns segnet. Es klingt, als katapultierten uns die Feinde geradezu an den Tisch des Überflusses. Gewiss ist: Gott ist an deiner Seite. 

Wenn du durch eine schwierige Zeit gehst, heißt das nicht, dass du etwas falsch machst. Jedes Tal ist eine Chance, dass dein Charakter, dein Vertrauen und dein Glaube geschult werden. Jede Schwierigkeit, die du an Gottes Seite durchlebst, macht dich stärker. Manche Erfahrungen helfen dir zu wachsen, dich weiter zu entwickeln und reif zu werden. Es geschieht nichts, woraus Gott nicht etwas Gutes entstehen lassen könnte.

Unser Leben ist voll von Dingen, die uns nicht gefallen. Dein Leben ist nicht so geworden, wie du es erträumt hast. Du bist von Menschen enttäuscht und deine Gebete wurden nicht beantwortet. Doch vergrabe dich nicht in deinen Enttäuschungen. Lass dich nicht entmutigen, wenn du auf Widerstand triffst. Konzentriere dich nicht auf deine Probleme. 

Du kannst zu Gott sagen: „Die Situation gefällt mir nicht – aber ich vertraue dir! Ich glaube, dass du, Herr, das Beste daraus machen kannst.“ Lass dir diese innere Einstellung schenken. Vergrabe deine Enttäuschungen nicht in deinem Herzen, damit sie nicht zu Groll, Bitterkeit oder Hass werden. Nimm sie wahr, erzähle sie ihm, vertraue ihm und schau gemeinsam mit ihm nach vorne. 

Isolde Müller, Missionswerk Karlsruhe

Deine persönliche Mail aus Karlsruhe