Wenn eine Stadt den Atem anhält

„Weihnachten neu erleben“ ließ viele Gesichter strahlen und berührte die Herzen.

 

Schon auf dem Weg zur dm-Arena wurde klar: Hier passiert etwas Außergewöhnliches. Auf den Verkehrsleittafeln der Bundesstraßen leuchtete nur das Kürzel WNE – doch jeder in Karlsruhe wusste, was gemeint war. „Weihnachten neu erleben“ hat sich längst von einer Vision zu einem festen Weihnachts-Highlight der Stadt entwickelt.

»Die Professionalität spricht Menschen ohne Kirchenbezug an.«

Über 70.000 Menschen strömten zu zehn Aufführungen des Weihnachts-Musicals in die Karlsruher Messehallen. Das ist fast ein Viertel von rund 300.000 Einwohnern der Stadt. Es kamen Menschen aus Karlsruhe und der gesamten Region. Kirchenferne ebenso wie langjährige Christen. Familien, Jugendliche, Firmenbelegschaften. Die Nachfrage war so überwältigend, dass beim Start des Online-Kartenvorverkaufs das Buchungssystem unter der Last der Anfragen zusammenbrach. Karlsruhe wollte Weihnachten neu erleben – und zwar gemeinsam.

Evangelisation auf andere Art

Knapp zwei Stunden lang entfaltete sich auf der Bühne ein wahres Feuerwerk: ein 400-köpfiger Chor, ein Orchester, Solisten, Schauspieler, beeindruckende Licht- und Videotechnik – alles griff ineinander mit einer Professionalität, die man sonst aus großen internationalen Produktionen kennt. Die Begeisterung im Publikum wuchs Szene für Szene, Applaus brandete auf, Menschen standen auf, bewegt von dem, was sie sahen und hörten.

© Fotos v.l.n.r.: Jens Arbogast · Tobias Nikola · Lennart Gastler, Titelbild: Tobias Nikola

Das Weihnachtsmusical stand unter dem starken, herausfordernden Thema Vergebung – ein Thema, das Herzen öffnete, oft unter Tränen. Immer wieder hörte man hinterher Besucher sagen: „Dass ich vergeben soll – das hat mich getroffen.“Viele dieser Rückmeldungen kamen von Menschen, die mit Gottesdiensten oder Glauben bisher nichts anfangen konnten.

© Fotos v.l.n.r.: Konstantin Neureither · Florian Disque · Timo Hartmann

Als dann klassische Weihnachtslieder zum Mitsingen erklangen, getragen von Chor und Orchester, lag etwas in der Luft, das viele nur schwer in Worte fassen konnten. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Arena sangen Tausende „O du fröhliche“. Nach einem intensiven Vergebungs-Erlebnis auf der Bühne fühlte es sich an, als würde ein Stück Himmel den Raum erfüllen.

»Dass ich vergeben soll – das hat mich getroffen.«

Klare Worte der Ewigkeit

Als wäre all das noch nicht genug gewesen, setzten Sibylle und Steffen Beck bei jeder der zehn Veranstaltungen das geistliche Sahnehäubchen auf. In einem kurzen, klaren und tiefgehenden Input brachten sie das Thema Vergebung noch einmal auf den Punkt – verständlich, lebensnah und ohne religiöses Gefasel. Mit wenigen Worten führten sie die Zuschauer von der emotionalen Erfahrung auf der Bühne hin zur persönlichen inneren Entscheidung: Vergebung ist nicht nur ein schönes Weihnachtsmotiv, sondern ein Schlüssel zu Freiheit, Heilung und einem neuen Anfang mit Gott. Dieser Moment gab den Vorstellungen eine ewige Perspektive. Viele spürten: Hier geht es nicht nur um ein Musical, sondern um mein eigenes Leben.

»Die Messehallen verwandelten sich in einen lebendigen Weihnachtsmarkt.«

„Weihnachten neu erleben“ endete nicht mit dem letzten Ton auf der Bühne: Vor und nach den Aufführungen verwandelten sich die Messehallen in einen lebendigen Weihnachtsmarkt. Der Duft von Punsch und Glühwein lag in der Luft, verschiedenste Weihnachtsmarkt-Gerichte lud zum Verweilen ein. Es gab Honig zu kaufen, Zitrusfrüchte, Geschenke – und vor allem konnte man Zeit miteinander verbringen. Tausende nahmen eine kostenlose Bibel mit. Und wer durch die Hallen ging, bemerkte die Gesichter: Fast alle strahlten. Hier herrschte eine unaufdringlich offene Atmosphäre – ein großer Unterschied zum üblichen Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz.

© Fotos: Ylber Azizaj · Hannes Neumann · Konstantin Neureither

Gemeinsam Großes schaffen

Besonders berührend für mich waren auch die Momente, in denen der Bürgermeister, die Dekane der katholischen und evangelischen Kirche sowie Vertreter der Freikirchen gemeinsam auf der Bühne standen und den Menschen von Herzen ein „Gesegnetes Weihnachten“ wünschten. Nicht aus Pflicht, sondern als Freunde. Als Menschen, die das ganze Jahr über gemeinsam mit uns unterwegs sind. „Weihnachten neu erleben“ war – wieder einmal – ein starkes Zeichen gelebter Einheit der Karlsruher Kirchenlandschaft.

Finanziert wurde die Veranstaltung durch moderate Eintrittspreise und Sponsoren. Zahlreiche Firmen nutzten das Musical bewusst als Weihnachtsfeier für ihre Mitarbeitenden. Gleichzeitig flossen Mittel in Kinder-Sozialprojekte – ein Fest mit Wirkung weit über die Bühne hinaus.

„Weihnachten neu erleben“ ist eine selbständige Organisation, gegründet von Christen mit einem klaren Herzensanliegen: Menschen außerhalb der christlichen Blase Jesus nahezubringen. Alle zwei Jahre wird diese Vision Realität – und durch TV-Übertragungen und andere Medien erreicht sie weit mehr als die 70.000 Besucher vor Ort. Ein vielfacher Segen.

»Tausende nahmen eine kostenlose Bibel mit.«

Was uns als Missionswerk besonders freut: Diese Visionäre – viele von ihnen aus dem Umfeld des ICF Karlsruhe – sind zugleich Teil der Zukunftsvision für das Missionszentrum. Eine gemeinsame Leidenschaft verbindet uns: Wir wollen nicht nur Christen erreichen, sondern unsere Stadt, unser Land und Menschen darüber hinaus.

Über 2.000 Menschen – mit und ohne Glauben, Laien wie Profis – engagierten sich ehrenamtlich, um diese Mega-Veranstaltung möglich zu machen. Ein Einsatz, der beeindruckt und bewegt. Auch das Missionswerk durfte einen Beitrag leisten:

• Die 400 Sänger des WNE-Chors probten in unserer Kathedrale.

• In unserer Küche wurden Mahlzeiten für die 2.000 Ehrenamtlichen gekocht und zur dm-Arena gefahren.

• 1.000 Teller, Gabeln und Messer vom Missionswerk kamen zum Einsatz.

• In unserer Lagerhalle wurden Monate zuvor die Kulissen gebaut und gelagert.

• Videosequenzen für die Veranstaltung entstanden in unseren Räumen.

Chorprobe in der Kathedrale des Missionswerk Karlsruhe

Leise bewegt in der Küche

Nach dem sehr erfolgreichen Hoffnungsfestival im Mai strömten zu „Weihnachten neu erleben“ erneut viele erwartungsvolle Besucher. Während bei klassischen Evangelisationen oft neunzig Prozent der Besucher den christlichen Glauben bereits kennen, spricht WNE mit seiner Professionalität Menschen ohne Kirchenbezug an – und bringt sie angenehm und respektvoll mit dem christlichen Glauben in Berührung. Jede Menge Samen wurden ausgestreut. Unser Gebet ist, dass sie in den kommenden Monaten und Jahren aufgehen – und Menschen Gott zu ihrem Partner machen.

Eines von vielen stillen, aber tiefgehenden Erfahrungen will ich zum Schluss erzählen: In der Küche des Missionswerks half die Ehefrau des Vorstandsvorsitzenden eines großen Konzerns ehrenamtlich mit. Später erzählte sie, wie sehr die Atmosphäre sie überwältigt habe – die Freude, das Miteinander, die Selbstverständlichkeit des Dienens. Dort, zwischen Töpfen und Tellern, begann sie, sich ernsthaft für den christlichen Glauben zu interessieren. Genau das wünschen wir uns für „Weihnachten neu erleben“: dass Gott mitten im Trubel dieser Großveranstaltung, im Gesang Tausender – oder ganz leise in einer Küche – Herzen berührt und Zukunft schreibt.

Daniel Müller, Leiter des Missionswerk Karlsruhe

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