
Die Lüge, die fast jeder glaubt
Jeder Mensch ist ein Unikat. Kopien gibt es bei Gott nicht. Kein anderer ist so wie du. Trotzdem streben wir oft danach, anders zu sein als wir sind – anders, als Gott uns gemacht hat. Wir schauen uns um und plötzlich scheint jeder erfolgreicher zu sein, und in den sozialen Medien scheint jeder das bessere Leben zu führen. Dann kommen die Fragen: Warum gelingt mir das nicht? Warum bin ich nicht so? Viele sind unzufrieden mit ihrem Leben – auch weil sie sich andauernd mit anderen vergleichen.
Bis zum Mord
Der erste Vergleich der Menschheitsgeschichte begegnet uns bei Adam und Eva. Eva war zufrieden – bis die Schlange sagte: „Ihr werdet sein wie Gott“ (1. Mose 3). Erst als ihr eingeredet wurde, ihr würde etwas fehlen, wuchs die Unzufriedenheit, die Gier, anders sein zu wollen. Beide beginnen mit dem Gefühl: Du hast nicht genug und du bist nicht genug. Wir alle kennen einen Gedankenanflug wie: So ein Auto möchte ich auch haben! Oder: Diese Traumfigur hätte ich auch gerne.
»Jeder prüfe vielmehr sein eigenes Tun. Dann kann er sich über das freuen, was er selbst tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen.«
– Galater 6,4
Schon beim ersten Mord der Bibel sehen wir, welche zerstörerische Kraft entstehen kann, wenn wir auf das schauen, was ein anderer bekommt. Kain und Abel brachten Gott beide ein Opfer. Gott sah Abel und sein Opfer an, Kain und sein Opfer aber nicht. Darüber wurde Kain zornig und er tötete schließlich seinen Bruder. Neid und Vergleiche sind nicht immer harmlos. Manche Menschen sind ihr Leben lang darin gefangen. Wer ständig auf andere schaut, verliert schnell aus den Augen, was Gott ihm selbst gegeben hat. Vergleiche rauben uns die Dankbarkeit für das, was längst da ist.
Raus aus der Vergleichsfalle
Der Teufel will Unzufriedenheit in dein Leben bringen. Deshalb hält er dir immer wieder einen Spiegel vor und zeigt dir deine angeblichen Mängel und führt dir den Vergleich mit anderen vor. Eine solche permanente Unzufriedenheit raubt dir deine Lebensqualität und deine Freude. Irgendwann siehst du nicht mehr, was Gott dir geschenkt hat, sondern nur noch das, was dir vermeintlich fehlt. Du übersiehst deine Stärken, deine Möglichkeiten und den Segen in deinem eigenen Leben. Die entscheidende Frage ist nicht, was du im Vergleich mit anderen siehst, sondern was Gott sieht, wenn er dich anschaut. Der Weg aus der Vergleichsfalle beginnt deshalb mit einem neuen Blick auf uns selbst. Statt uns an anderen zu messen, dürfen wir anfangen, Gott zu unserem Maßstab zu machen.
1. Blicke in Gottes Spiegel
David schreibt in Psalm 139,14: „Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl.“ Genau das siehst du auch, wenn du in Gottes Spiegel blickst: Du bist herrlich, wunderbar und ausgezeichnet gemacht. Bemerkenswert ist, dass David nicht sagt: „Ich danke dir, dass ich besser bin als andere.“ Er beachtet die anderen gar nicht. Er sieht, was Gott an ihm und für ihn gemacht hat. Er schaut nicht auf irgendjemand anderen, sondern er schaut nach oben, zu seinem Gott.
»Plötzlich erscheint das, was Gott uns anvertraut hat, nicht mehr genug.«
2. Nimm, was Gott dir gab
Ganz wunderbar zeigt sich Davids Haltung auch in der Begebenheit, als er gegen Goliath kämpfen sollte. König Saul gab ihm seine Rüstung, um gegen den Riesen anzutreten. Doch David zog sie wieder aus: Er merkte, dass er damit nichts erreichen würde. Er war nicht Saul. Stattdessen gebrauchte David das, was Gott ihm gegeben hatte: seine Erfahrung als Hirte, seine Schleuder und seinen Glauben. Damit errang er den Sieg. Auch dich will Gott mit dem gebrauchen, was er dir gegeben hat. Blicke nicht auf die anderen. Ihre Rüstung brauchst du nicht. Sondern sieh auf Gott und gebrauche die Kieselsteine in deiner Hand zu seiner Ehre.
3. Folge Jesus nach
Auch Jesus redet über das Vergleichen – in einem erstaunlichen Gespräch mit Petrus. Wir kennen die Geschichte aus Johannes 21: Dreimal fragt Jesus Petrus: „Liebst du mich?“ Dann gibt er ihm einen ganz persönlichen Auftrag: „Weide meine Schafe.“ Petrus soll den Menschen dienen und sich um sie kümmern. Doch dann wendet sich Petrus plötzlich einem ganz anderen Thema zu. Er sieht Johannes und fragt Jesus: „Herr, was wird denn mit ihm?“ (Johannes 21,21). Gerade hat Jesus mit ihm über seinen eigenen Auftrag gesprochen – und schon wandert sein Blick zu jemand anderem: Was ist mit Johannes? Welche Aufgabe bekommt er?
Jesus antwortet sehr deutlich: „Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ (Johannes 21,22). Was für eine Antwort! Mit anderen Worten: Kümmere dich nicht darum, welchen Weg ich mit Johannes gehe. Vergleiche dich nicht mit Johannes, sondern schaue auf mich und tue das, wozu ich dich berufen habe. Petrus muss nicht den Weg von Johannes gehen und Johannes nicht den Weg von Petrus. Jeder hat seinen eigenen Auftrag.
»Gebrauche die Kieselsteine in deiner Hand zu seiner Ehre.«
Genau das gilt auch für uns. Wenn wir ständig auf andere schauen, verlieren wir leicht unsere Freude und unseren Frieden. Wir sehen, was andere haben, was ihnen gelingt oder welche Möglichkeiten sie bekommen – und plötzlich erscheint das, was Gott uns anvertraut hat, nicht mehr genug. Jesus lenkt unseren Blick zurück auf das Wesentliche: Folge du mir nach!
Treue zählt
Ganz ähnlich lesen wir es in Galater 6,4: „Jeder prüfe vielmehr sein eigenes Tun. Dann kann er sich über das freuen, was er selbst tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen.“ Freu dich über das, was dir mit Gottes Hilfe gelungen ist, wo du anderen helfen oder ihnen Freude machen konntest. Lebe mit dem, was Gott dir anvertraut hat. Für Gott zählt nicht Größe, sondern Treue.
Vergleichen wir uns, sehen wir meistens nur das Hochgepushte und das scheinbar Bessere. Genau darin steckt die Lüge, die fast jeder glaubt: Was ich bin und was Gott mir gegeben hat, ist nicht genug – ich müsste mehr haben, mehr können oder mehr wie jemand anderes sein. Doch Jesus sagt: „Was geht es dich an? Folge du mir nach!“ Erinnere dich immer, wieviel Gutes du schon von Gott empfangen hast. Schau auf Jesus, nimm deinen eigenen Auftrag an. Du bist einzigartig und gesegnet!
Isolde Müller, Leiterin des Missionswerk Karlsruhe
Hier kannst du die Predigt online ansehen: