Was müssen wir tun, damit unser Leben Ausstrahlung hat, „gute Frucht bringt“, wie die Bibel es ausdrückt? Wie sieht diese Frucht aus und für wen ist sie bestimmt? Isolde Müller zeigt dir, wie dein Leben wie ein Weizenkorn reiche Ernte bringt.

Ein Weizenfeld zur Erntezeit. Tausende Ähren wiegen sich im Sommerwind. Ein Halm steht neben dem anderen, so weit das Augen reicht. An jeder Weizenähre sitzen zahlreiche Körner, mal sind es 20, mal 30, mal 40. Und doch ist jede dieser Ähren aus einem einzigen Weizenkorn gewachsen. Eine reiche Ernte. Wir wünschen uns auch für unser Leben reiche Frucht. Wir wünschen uns zu erleben, was Jesus in einem Gleichnis erzählte: „Ein Teil der Saat fällt auf guten Boden. Das bedeutet: Jemand hört das Wort und versteht es und bringt dann auch Frucht“ (Matthäus 13,23). Aus unserem Leben soll Frucht wachsen.

Frucht ist Veränderung

Wie diese Frucht aussieht, erklärt Paulus den Galatern sehr konkret: „Die Frucht des Geistes ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“ (Galater 5,22). Die Frucht bedeutet Veränderung. Wir werden anders, als wir sind. In uns kommen Eigenschaften des Geistes hervor. Wir sind nicht mehr wütend und aufbrausend – sondern geduldig und sanftmütig. Nicht mehr voller Neid und Eifersucht – sondern voller Liebe und Freundlichkeit. Wir suchen keinen Streit – sondern den Frieden. Wir verbreiten keinen Missmut – sondern Freude. Wenn sein Geist in uns Frucht wachsen lässt, verändern wir uns zu diesen Werten hin. Dann kann unser Leben für Gott fruchtbar werden.

Denn die Frucht, die in uns wachsen soll, ist gar nicht für uns selbst bestimmt. Ein wogendes Weizenfeld ist reiche Ernte – für viele Menschen, die es ernährt. Ein Baum verbraucht seine Früchte nicht selbst, sondern sie sind bestimmt für Menschen, die sie pflücken und sich an Äpfeln, Pflaumen und Kirschen erfreuen. Liebe und Freude, Geduld und Sanftmut und alle sonstigen Früchte gelten vor allem anderen Menschen. Wenn wir die Früchte unseres Lebens nicht weitergeben, werden sie sogar verfaulen und nutzlos bleiben. Doch auch wenn sie zuerst andere genießen, wird der Segen unserer Früchte zu uns zurückkommen.

Zerbruch ist nötig

Wie kommt die Frucht zum Vorschein in unserem Leben? Wie werden Liebe und Friede und Geduld in uns wachsen? Jesus selbst erklärt es seinen Jüngern: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12,23.24). Jesus sprach hier vor allem von sich selbst. Er hat den Prozess eines Weizenkorns durchgemacht: Er ist gestorben und auferstanden. Deshalb leben wir und haben ewiges Leben. Wir sind seine Frucht. Dasselbe gilt für uns: Wie das Weizenkorn im Acker vergraben wird, muss unser Ich sterben, damit Gutes aus unserem Leben fließen kann.

Als Kind habe ich oft meinen Großvater zur Weizenernte begleitet. Dabei habe ich mir immer auch Weizenkörner in den Mund gesteckt und sie gegessen. Ein Weizenkorn hat eine sehr harte Schale, die man erst einmal zerbeißen muss. Durch die harte Schale des Verstandes, des Willens und der Gefühle kommt unser inneres, geistliches Leben nicht durch. Bleibt das äußere ungebrochen, dann besteht für das innere Leben keine Möglichkeit, um hervorzukommen und fruchtbar zu werden. Unser geistliches Leben ist wie gefangen in dem Bollwerk unserer Gedanken, unseres Willens und unserer Gefühle.

Unsere Frucht wird dann zum Vorschein kommen, wenn unser äußerer Mensch, unser Ich, zerbrochen ist. So wie die Schale beim Weizenkorn. Wenn die harte Schale nicht zerbrochen wird und die Pflanze keimt, kann nichts Neues entstehen. Das Korn bleibt tot und irgendwann vergammelt es. Unser Leben ist genauso. Wenn die harte Schale unseres Ichs nicht zerbrochen wird, kann der Heilige Geist in uns nichts tun.
Die Frage ist nicht, ob Leben in dem Weizenkorn ist, denn der Heilige Geist lebt ja in uns. Wenn wir Jesus in unser Leben aufgenommen haben, haben wir den Heiligen Geist empfangen. Wachsen kann die Frucht des Geistes daher in jedem von uns.

Die Frage ist, ob die äußere Schale zerbrochen ist. Dann beginnt der Weizen zu keimen und zu wachsen.

Das Ich wird klein

Zerbruch bedeutet nicht, dass wir unseren Verstand, Willen und Gefühle zerstören sollen. Es meint, dass unser Ich ganz klein werden muss. Unsere Seele muss unter die Herrschaft des Heiligen Geistes. Unser Ich muss abnehmen, Jesus muss zunehmen und größer werden in unserem Leben. Wir tun nicht mehr das, was wir selbst wollen, sondern sein Wille zählt. Nicht unsere Gefühle bestimmen unser Handeln, sondern sein Wort. Nicht wir mit unserem Intellekt, unserem Wissen und Können lösen unsere Probleme, sondern Gott in seiner Weisheit. Wir liefern uns ganz aus. Unser Ich wird klein und sein Geist breitet sich in uns aus und lässt seine Frucht wachsen.

Zerbruch kann auch Wunden mit sich bringen. Wir erleben vielleicht Beleidigungen und Bosheiten von anderen, werden missachtet von Menschen oder angeklagt, über uns wird gelästert, wir werden verleumdet. Dies alles lässt Gott manchmal zu in unserem Leben, damit die harte Schale unseres Ichs aufbricht. Der Apostel Paulus ist uns da ein gutes Beispiel. In 2. Korinther 11,23-28 zählt er vieles auf, das ihm widerfahren ist. Er spricht von Schlägen, von Todesgefahren, von Hunger, Durst und Kälte und letztendlich auch von Gefahren unter falschen Brüdern. Das waren nicht nur körperliche Wunden, sondern es tut innerlich weh, wenn man entdeckt, dass sich Geschwister als „falsch“ entpuppen. Paulus’ harte Schale wurde durchbrochen und Gottes Geist kam in seinem Leben zum Vorschein. Er sagt: „Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20). Sein Ich ist gestorben. Der äußere Mensch ist zerbrochen und der innere Mensch kommt durch die Schale zum Vorschein.

Der Geist wirkt

Um zu keimen, braucht ein Weizenkorn Wasser und Wärme. Im feuchtwarmen Boden bricht das Korn auf und der feine, neue Trieb wird immer größer und stärker. Nach etwa zwei Wochen durchbricht die kleine Pflanze dann die Ackerkrume. In unserem Leben ist Gott unsere Quelle und Sonne, er schenkt uns Wärme und Geborgenheit. Winterweizen braucht aber auch den Frost. Damit er im Frühjahr Blütenstände ausbilden kann, wird er schon im Herbst gesät. Er braucht die Minusgrade, um stark und reif zu werden.

Auch in unserem Leben spüren wir zu manchen Zeiten die Kälte. Wir erleben Schwierigkeiten und Herausforderungen. Doch Gott lässt nichts umsonst zu in deinem Leben. Alles hat eine Bedeutung. Durch alle Erfahrungen, Schwierigkeiten, Missgeschicke und Prüfungen arbeitet der Heilige Geist darauf hin, dass er aus unserem inneren Menschen heraus freie Bahn bekommt. Deshalb hilft es nichts, wenn wir nur unsere schwierigen Umstände sehen und jammern und klagen. Dann erkennen wir Gottes Hand nicht. Es hilft nichts, wenn wir nur die Menschen sehen, die uns widerstehen und uns ärgern, dann verharren wir in der Hoffnungslosigkeit. Es hilft nichts, wenn wir nur darauf sehen, dass etwas nicht so geht, wie wir es uns vorgestellt haben, dann versinken wir in Selbstmitleid. Nein, wir dürfen wissen: Die Kälte hat ihren Sinn.

Nach dem Frost kommt das Frühjahr. Der Weizen wächst. Die Blätter entwickeln sich nach und nach, die Ähren schieben sich nach außen und schließlich reifen die Körner heran. Unser Leben wird fruchtbar. Es wachsen Liebe und Freude, Friede und Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue und Sanftmut und Selbstbeherrschung. Frucht ist Segen. Der Segen, für den wir immer beten. Segen, der zu anderen strömt. Zu jedem, mit dem wir zu tun haben. Lass dich verändern!


Isolde Müller, Leiterin des Missionswerks

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