Frucht statt Fassade

Wir alle wünschen uns positive Veränderungen im Leben und Glauben. Aber wie kommen wir dahin?

 

Langsam kehrt in diesen Wochen der Frühling ein – und mit ihm steigt die Vorfreude auf Erdbeeren und Kirschen, die ersten Obstsorten der Saison in unseren Breitengraden. So unterschiedlich Erdbeerpflanzen und Kirschbäume sind: Ihre Früchte hängen bald rot und saftig an ihren Stielen und wir dürfen sie genießen.

Wonach bewertest du?

Frucht ist im Neuen Testament ein wichtiges Bild, das immer wieder auftaucht. Für Jesus ist die Vorstellung zentral, dass er seine Nachfolger genau aus dem Grund ausgewählt hat – damit sie Frucht bringen: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich euch, damit ihr euch auf den Weg macht und Frucht bringt, die bleibt“ (Johannes 15,16).

Frucht zu bringen, ist nicht nur unsere zentrale Aufgabe, die Frucht ist aus biblischer Sicht auch das Kennzeichen, um Leben und Glauben zu beurteilen: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Vers 20). Heute zählt oft das, was gut aussieht: die größten Erdbeeren, die schönsten Menschen, die perfekt eingerichteten Wohnungen. Vieles ist heute poliert und inszeniert. Doch Gott lässt sich nicht beeindrucken. Er schaut nicht auf das, was wir vorzeigen, sondern auf unsere Frucht, die wächst. Dein Leben bringt immer etwas hervor. Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, wie du bewertest: nach Aussehen? Nach den Fehlern, die ein Mensch macht? Wie viel jemand geleistet hat im Reich Gottes? Wie bekannt oder beliebt jemand ist? Das alles sind keine Kriterien von Jesus. Er nennt nur ein Kriterium: die Frucht, die ein Mensch hervorbringt.

Sichtbare Veränderung

Auch Johannes spricht von der Frucht. Als sich die religiöse Elite von ihm taufen lassen will, zweifelt er an ihrer Aufrichtigkeit und fordert sie auf: „Bringt der Buße würdige Frucht!“ – mit anderen Worten: „Bringt Früchte hervor, die zeigen, dass ihr wirklich zu Gott umkehren wollt!“ (Matthäus 3,8). Frucht ist das sichtbare Ergebnis eines echten Glaubens. Wenn wir unser Leben Jesus geben, wird Veränderung sichtbar werden. Johannes warnt die jüdischen Anführer vor den Konsequenzen, wenn die Veränderung ausbleibt: „Die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Vers 10).

Auch Jesus beschreibt Konsequenzen, wenn Frucht fehlt. Gott, der Weingärtner, greift dann ein: „Alle Reben am Weinstock, die keine Trauben tragen, schneidet er ab“ (Johannes 15,2). Und auch an die fruchtbaren Reben legt Gott Hand an. Er beschneidet uns so lange, bis unser Charakter so geformt ist, dass gute Frucht daraus entsteht.: „Die Frucht tragenden Reben beschneidet er sorgfältig, damit sie noch mehr Frucht bringen“ (Vers 2). Auch wenn wir Frucht bringen, entfernt Gott Dinge, die unserem Wachstum schaden. Manchmal sind das Dinge, die uns lieb geworden sind, die aber Gott nicht gebrauchen kann.

Wie wächst Frucht?

Echte Veränderung, Liebe und Frucht erreichen wir nicht aus eigener Kraft und Anstrengung. Aber wie wachsen die guten Früchte dann in uns? Jesus gibt im Johannesevangelium zwei Antworten darauf. Zum einen weist er auf unsere Beziehung zu ihm hin: „Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, der trägt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts ausrichten“ (Johannes 15,5). Frucht wächst durch unsere Beziehung zu ihm. Wenn wir durch Vertrauen, Treue und Gebet verbunden mit Jesus leben, kann geistliche Frucht wachsen wie Trauben am Weinstock. Zum anderen sagt Jesus: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich euch, damit ihr euch auf den Weg macht und Frucht bringt, die bleibt“ (Vers 16). Es liegt an uns, Schritte zu wagen, uns auf den Weg zu machen und Gottes Auftrag anzunehmen.

»Die Frucht des Geistes braucht Pflege und Geduld.«

Paulus gibt eine weitere Antwort, wie Frucht in unserem Leben wächst: „Lasst euer Leben von Gottes Geist bestimmen“ (Galater 5,16). Wenn wir uns vom Heiligen Geist führen lassen, begrenzt er unsere selbstsüchtigen Wünsche. Gute Frucht wächst nicht automatisch, sobald wir Christ werden, sondern wenn wir dem Geist Raum geben und täglich von ihm leiten lassen. Dann „bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung. Ist das bei euch so? Dann kann kein Gesetz mehr etwas von euch fordern!“ (Verse 22–23). Perfekt – reif für den Himmel!

Die Frucht des Geistes braucht Zeit zum Wachsen, sie braucht Pflege und Geduld. Dann reift sie nach und nach in uns – ähnlich wie Früchte am Baum: Anfangs sind Kirschen klein und grün, dann werden sie gelblich und orange und später rot, manche Sorte fast schwarzrot. Erst nach Monaten am Ast sind sie genießbar und werden geerntet. So gedeiht auch die Frucht des Geistes in einem Prozess des Wachsens und Reifens.

Wenn es fault

Es gibt gute und schlechte Früchte, darin ist die Bibel sehr eindeutig. Der „Frucht des Geistes“ stellt Paulus die menschliche Natur gegenüber. Unsere selbstsüchtigen Muster führen zu „sexueller Zügellosigkeit, einem sittenlosen und ausschweifenden Leben, zur Götzenanbetung und zu abergläubischem Vertrauen auf übersinnliche Kräfte. Feindseligkeit, Streitsucht, Eifersucht, Wutausbrüche, Intrigen, Uneinigkeit und Spaltungen bestimmen dann das Leben ebenso wie Neid, Trunksucht, üppige Gelage und vieles andere. Ich habe es schon oft gesagt und warne euch hier noch einmal: Wer so lebt, wird niemals in Gottes neue Welt kommen“ (Galater 5,19–21).

Schlechte Frucht wird klar benannt, verbunden mit einer Warnung: Wenn diese Dinge dein Leben bestimmen, fault etwas. Über die Eindringlichkeit, von der wir hier lesen, sollten wir nicht einfach hinweggehen. Diese Aufzählung meint keine kleinen Ausrutscher, besonders dann nicht, wenn sie unser Leben bestimmen.

Innen schmackhaft?

Häufig sehen Kirschen am Baum lecker aus, doch wenn man sie aufschneidet, findet man im Inneren der Früchte weiße Larven. Kirschfruchtfliegen legen ihre Eier in fast reife Kirschen. Anfangs wirken die Früchte dann noch makellos, doch wenn die Larve sich durch das Fruchtfleisch frisst, wird die Kirsche matschig und faulig.

Wie sieht es bei unserer geistlichen Frucht aus? Schmeckt sie genauso gut wie sie aussieht? Schmeckt sie nach Liebe? Nach Frieden und Geduld, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung? Der äußere Schein kann täuschen. Unser Leben kann tadellos christlich aussehen. Die Frage ist: Wie verhalten wir uns hinter geschlossenen Türen, wo uns niemand sieht? Geben wir uns sonntags anders als an den übrigen Tagen der Woche? Gott lässt sich nicht beeindrucken: „Dieses Volk gibt vor, mich zu ehren – doch sie tun es nur mit den Lippen, mit dem Herzen sind sie nicht dabei“, wirft Gott in Jesaja 29,13 seinem Volk vor. Das klingt nach einer Frucht, die schön aussieht, aber innen faulig ist.

»Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich euch, damit ihr euch auf den Weg macht und Frucht bringt, die bleibt.« – Johannes 15,16

Frucht statt Fassade – so könnte man auch zusammenfassen, was Jesus sich von den Pharisäern und Schriftgelehrten wünschte. Unmissverständlich bemängelte er ihre äußere Frömmigkeit ohne fruchtbaren Glauben: „Folgt aber nicht ihrem Beispiel! Denn sie selber tun nicht, was sie von den anderen verlangen. Sie bürden den Menschen unerträgliche Lasten auf, doch sie selbst rühren keinen Finger, um diese Lasten zu tragen. Mit allem, was sie tun, stellen sie sich zur Schau“ (Matthäus 23,3–5). In den Versen 27 und 28 vergleicht Jesus sie sogar mit einem herausgeputzten Friedhof: „Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung.“ 

Die Pharisäer wirken nach außen religiös und korrekt, aber innerlich stimmt es nicht: Schein statt Sein. Jesus warnt uns davor, eine christliche Fassade aufzubauen – mit den richtigen Worten und korrektem Verhalten in der Öffentlichkeit. Andere Menschen werden wir nur gewinnen, wenn unsere Frucht echt ist. Menschen beobachten uns und haben ein Gespür dafür, ob unser Reden und Tun übereinstimmen.

Frucht, die bleibt

Frucht hervorzubringen, indem wir mit Jesus verbunden bleiben, losgehen und dem Geist Raum geben, hat Priorität in unserem Leben. Frucht wächst, wenn du

… Liebe wählst, statt recht zu behalten,

… unter Druck geduldig bleibst,

… aus Vergebung statt Bitterkeit lebst,

… dankbar bist statt nur zu klagen,

… hilfst statt wegzuschauen,

… nach Gottes Wort handelst, auch wenn es dich etwas kostet. Lass dich ein auf den Reifeprozess in deinem Leben. Manchmal wirst du dabei Rückschläge erleben. Gib nicht auf, sondern geh voran – niemand ist perfekt. Bleib mit Jesus verbunden – denn wer in ihm bleibt, bringt Frucht, die bleibt.

Isolde Müller, Leiterin des Missionswerk Karlsruhe

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