Gesandt, um Frieden zu bringen

Wie finde ich Frieden und kann ihn weitergeben? Thomas Inhoff nimmt dich mit in die Bibel rein und zeigt dir, dass wir schon ausgestattet sind Frieden zu bringen.

Damit wir ein gutes Leben gestalten können, brauchen wir Sicherheit und Frieden. Die Frage, wie wir zu einem friedlichen Miteinander finden, beschäftigt sogar die Forschung. Die Regierung fördert aktuell den Forschungsbereich Friedens- und Konfliktforschung mit 32 Millionen Euro

Doch wir brauchen gar nicht auf die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten zu warten, sondern Jesus selbst hat schon Menschen dafür ausgestattet, Frieden zu bringen. Als er seine Jünger zu zweit in die Städte und Dörfer schickte, gab er ihnen mit auf den Weg:

„Wenn ihr in ein Haus kommt, dann sagt: ›Friede sei mit euch allen! Wenn dort jemand Gottes Frieden bereitwillig annimmt, so soll der Friede, den ihr bringt, bei ihm bleiben.“

Lukas 10,5-6a

Senden lassen

Wenn ich diese Worte von Jesus lese, dann spüre ich den großen Wunsch, dass sich heute Menschen genau mit diesem Auftrag senden lassen und genau das tun, was Jesus einst seinen Jüngern aufgetragen hat. Dass diese Sendung auch heute noch wirksam ist, daran besteht keinerlei Zweifel. Es ist die zentrale Botschaft von Jesus. Nach seiner Auferstehung grüßte er seine Jünger mit den Worten: „Friede sei mit euch“ und zeigte ihnen die Wunden an seinen Händen. Daraufhin sagte Jesus noch einmal: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich jetzt euch!“ (Johannes 20,21). In der zentralen und allseits bekannten Bergpredigt sagte er: „Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen“ (Matthäus 5,9). 

Vor Kurzem sprach ich mit einem Manager, der berichtete: „Im letzten Jahr war ich einmal im Monat in Israel. Während der Corona-Pandemie war es cool zu fliegen, denn der Flieger war fast leer. Eigentlich war es gar nicht möglich zu reisen, doch ich hatte eine Ausnahmegenehmigung, weil ich im Auftrag der Regierung unterwegs war.“ Er erlebte seine Sendung als Privileg.

Jeder der irgendeinen Auftrag erhält und sich damit auf den Weg macht, besitzt eine bestimmte Kompetenz. Als Kind war es meine Aufgabe, beim Essen für Getränke zu sorgen. Auch eine so einfache Aufgabe, wie Getränke aus dem Keller zu holen, wird man nur erhalten, wenn man dazu in der Lage ist. Wer müssen wir sein, um auf diese Weise in unser Umfeld gesandt zu werden?

Wenn die Jünger in den Häusern die Worte aussprachen „Friede sei mit euch!“, dann besaßen sie eine Kompetenz und uns stellt sich die Frage: Wer müssen wir sein, um auf diese Weise in unser Umfeld gesandt zu werden? Wenige Verse zuvor lesen wir, wie Jesus zu seinen Jüngern sagte: „Ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe“ (Lukas 10,3).

Das klingt nicht sehr ermutigend, doch alle Jünger kamen mit großer Freude von dieser Aussendung zurück. Jesus hatte sie mit einem Frieden ausgestattet, wie ihn die Welt nicht geben kann und wie ihn die Welt nicht nehmen kann. Genau das tut Jesus auch heute noch. 

Göttliche Kraft

Paulus betont in seinen Briefen, wie Gottes übernatürliche Kraft Menschen verändert. Er hat nicht an die Moral und Disziplin der jungen Christen appelliert, sondern ihnen ein Geheimnis weitergeben: Die gute Botschaft des Evangeliums enthält eine unüberwindbare Kraft. 

In dieser Haltung schrieb er auch jene Worte in einem Brief an Christen in Philippi. Diese Stadt ist heute ein UNESCO-Welterbe in Griechenland. Der Appell an jene Christen gilt auch uns heute und ist wie ein Slogan und eine Zusammenfassung seines Briefes: „Freut euch zu jeder Zeit! Ich will es noch einmal sagen: Freut euch!“ (Philipper 4,4) 

Mit Blick auf so manchen Konflikt will die Freude eher weichen, statt sich entfalten. Doch das Wissen um göttliche Kraft, die größer ist als alle Widerstände, liefert die Grundlage zu einer unerschrockenen Freude. Und diese Freude bildet auch die Motivation zur Aktion, so schreibt Paulus weiter: „Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren.“ 

Nun lässt Paulus die Christen in Philippi nicht im Unklaren, wie sie genau dafür kompetent werden und den göttlichen Frieden erhalten, der eine Macht und Autorität besitzt, die nichts überwinden kann, ja, eine Ausrüstung, die so großartig ist, dass sogar Lämmer unter Wölfen nicht zu Schaden kommen. So schreibt er weiter:

„Ihr dürft in jeder Lage zu Gott kommen. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid.“

Philipper 4,7

Paulus liefert der jungen Gemeinde damit vier Punkte, die sie mit dem göttlichen Frieden ausstatten würden:

  • sagen 
  • denken 
  • danken 
  • lieben

Paulus hat die jungen Christen nicht ermutigt, die Gefahren, die Probleme und Herausforderungen zu ignorieren. Über Probleme zu sprechen, den Mangel zu artikulieren, ist eigentlich selten ein Problem. Jammern und Klagen gehören inzwischen schon scheinbar zum guten Ton. Die Herausforderung liegt darin, dass wir mit dem Richtigen – mit Gott selbst – über unseren empfundenen Mangel reden. 

Studien haben gezeigt, dass Menschen in ihren Emotionen genau gleich empfinden – egal, ob sie eine Situation erleben oder nur davon erzählen. Das bedeutet, dass uns klagen und jammern über Defizite, die wir erfahren, immer weiter Energie raubt. 

Ganz anders, wenn wir diese Dinge vor Gott ausbreiten! In seiner Gegenwart werden wir mit Energie, mit Zuversicht und Hoffnung gefüllt. In seiner Gegenwart erhalten wir eine andere Perspektive. Unser Fokus wird vom Problem auf die Lösung gelenkt und daraus entsteht unser Danken. 

Nachdenken und danken

„Dankt ihm“, schreibt Paulus weiter. Diese Aufforderung wird manchmal falsch verstanden. Denn wir sollen Gott nicht etwa danken, dass uns etwas fehlt, sondern der Dank bezieht sich auf Gottes Realität. Er ist uns immer nah mit all seiner Fülle. Doch oft sind uns seine Nähe und seine Fülle gar nicht bewusst. Darum fordert Paulus auf, dass wir uns besinnen. Wir sollen darüber nachdenken, was hilfreich, gut und positiv ist. Genau dazu fordert Paulus seine Schützlinge auf, als er schreibt:  

„Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“

Philipper 4,8

Es gibt einen naiven Frieden und einen tiefen Frieden. Manche Menschen handeln ganz nach dem Spruch von J.R.R. Tolkien aus „Der Herr der Ringe“: „Ho! Ho! Ho! Ich gehe zur Flasche, um mein Herz zu heilen und meinen Kummer zu ertränken. Regen mag fallen und Wind mag wehen. Und viele Meilen sind noch zu gehen. Doch unter einem hohen Baum werde ich liegen und lasse die Wolken vorbeisegeln." 

Christen können sich besinnen, statt sich zu betäuben. Unsere Zeit bietet viele Möglichkeiten uns abzulenken, zu unterhalten und zu betäuben, doch wenn wir uns auf die Realität Gottes besinnen, wird unser Blick auf die verändernde Kraft des Evangeliums gerichtet und wir erleben das übernatürliche Wirken. Paulus unterstreicht diesen Appell des Nachdenkens noch einmal und betont, dass genau dadurch der Friede einzieht: 

„Haltet an der Botschaft fest, die ihr von mir gehört und angenommen habt. Richtet euch nach dem, was ich euch gelehrt habe, und lebt nach meinem Vorbild. Dann wird Gott, von dem aller Friede kommt, bei euch sein.“

Entfachte Liebe

Auch heute noch brauchen Menschen, die sich als Friedensstifter senden lassen, eine außergewöhnliche Ausstattung. Immer noch sind Friedensstifter unterwegs wie Lämmer unter Wölfen. Darum brauchen Friedensstifter nicht nur persönlich Frieden und den Wunsch, Frieden zu fördern, sondern sie brauchen einen unzerstörbaren Frieden. Dieser unzerstörbare Frieden ist zu finden, wenn unsere Liebe durch die Hingabe, die wir im Handeln Jesu erkennen, genährt wird. 

Jesus hat allen Frieden aufgegeben, damit wir Frieden finden. Paulus schreibt im Brief an die Philipper (Philipper 2,7-9), wie Jesus alle Privilegien im Himmel aufgab, damit wir Anteil an der Kraft, dem Frieden und der Freude des Himmels erhalten. Indem wir unseren Blick auf Jesus richten, auf das, was er tat, wie er ist und womit er uns beschenkt, wird unsere Liebe entfacht. Eine Liebe, die stärker ist als der Tod. 

Sagen, denken, danken und lieben lässt uns zu Menschen werden, die einen Frieden besitzen, der alle Logik übersteigt und unzerstörbar ist. So werden auch wir zu Menschen über die Paulus schreiben würde: „Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren.“ So werden wir zu Menschen, die Jesus mit den Worten anspricht und aussendet: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Johannes 20,21).

Thomas Inhoff, Missionswerk Karlsruhe

Ähnliche Beiträge

Schau dir auch unsere weiteren Beiträge zu diesem oder einem verwandten Thema an.
cross