Fühlst du dich auch manchmal nutzlos und fragst dich: „Ist da jemand, der mich wirklich braucht?“ Lies Daniel Müllers überraschende Antwort auf diese lebenswichtige Frage.

Würde dich jemand vermissen, wenn es dich nicht gäbe? Wenn wir alleine zu Hause sind – keine Feier steht an, kein Anruf kommt – stellen wir uns die Frage: „Ist da jemand, der mich wirklich braucht?“ Vielleicht sagst du: „Ja, schon, ich helfe Kai beim Umzug und der kleinen Carmen bei den Hausaufgaben.“ Wir sind eingespannt, machen dies und machen das, aber manchmal fragen wir uns, ob uns jemand wirklich braucht oder wir anderen nur Arbeit abnehmen oder ihnen Geld ersparen. Im gesunden Maße ist dagegen gar nichts zu sagen. Doch bei manchen geht es so weit, dass sie das Gefühl haben, nicht gebraucht, sondern missbraucht zu werden. Eine schlimme Erfahrung, die viel kaputt machen kann. Doch das tiefe Bedürfnis, wirklich gebraucht zu werden, hat Gott von Anfang an in den Menschen hineingelegt. Der Grundgedanke der Schöpfung sind gelebte, gesunde Beziehungen. Ich möchte sogar sagen: Beziehung war der Grund, weshalb Gott den Menschen schuf. Er wollte mit ihm Gemeinschaft haben.

Gibt es jemanden, der dich vermissen würde, wenn es dich nicht gäbe? Menschen, die dich vermissen würden, sind nämlich genau diejenigen, die dich wirklich brauchen. Ich kenne viele Menschen, die mich mögen. Einige Menschen sind meine Freunde. Aber nur wenige Menschen würden mich wirklich vermissen. Wenn wir jemanden vermissen, stehen wir ihm nah. Um gebraucht zu werden, muss man Nähe wollen und zulassen. Denn Nähe ist die Voraussetzung, um aufeinander angewiesen zu sein, um uns zu vermissen und einander zu brauchen!

Wenn du das Gefühl hast, dass dich keiner auf der Erde wirklich braucht, sei dir sicher: Jesus braucht dich. Ganz ohne Hintergedanken! Gott wurde Mensch in Bethlehem, um eine Nähe zu dir herzustellen. Er will dich gebrauchen. Man könnte fragen: Braucht Gott wirklich mich? Kann er nicht alles alleine? Ja, er kann alles alleine, er ist Gott. Aber er hat beschlossen, uns Menschen zu gebrauchen.

In der Schöpfungsgeschichte lesen wir (1. Mose 1,26-27):

Dann sagte Gott: ‚Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde.’ So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie.

Gott schuf vieles – aber nur den Menschen möchte er für sich gebrauchen. Manchmal kommt man auf den Gedanken: Braucht Gott nicht nur diejenigen, die viel beten, predigen, singen? Nein, Gottes Idee war, alle Menschen zu gebrauchen. Er hat vielfältige Aufgaben für uns Menschen auf dieser Erde.

… trotz Fehlern

Sehen wir uns Petrus an: Er war ein einfacher Fischer. Jesus holte ihn in seinen Dienst und bildete ihn mit elf anderen Jüngern aus. Petrus war sehr impulsiv. Jesus musste ihn immer mal wieder zurückpfeifen. Einmal hieb er dem Diener zur Verteidigung von Jesus das Ohr ab, ein andermal kannte er vor Angst plötzlich Jesus nicht mehr. Jesus traf Petrus nach seinem Versagen und er ermahnte ihn nicht mit Worten wie: „Du mit deiner großen Klappe – wenn es darauf ankommt, versagst du“, sondern Jesus zeigte ihm, dass er ihn gebrauchen wollte. Nach seiner Auferstehung saßen einige Jünger am Strand zusammen. Jesus gesellte sich zu ihnen und sie aßen gemeinsam. Da fragte Jesus den Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?“ – „Ja, Herr“, antwortete ihm Petrus, „du weißt, dass ich dich lieb habe.“ – „Dann hüte meine Lämmer“, sagte Jesus. Jesus wiederholte seine Frage: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ – „Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich liebe“, antwortete Petrus noch einmal. Erneut sagte Jesus: „Dann hüte meine Schafe!“ Und zum dritten Mal fragte Jesus: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich wirklich lieb?“ Jetzt wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm nun zum dritten Mal diese Frage stellte. Deshalb antwortete er: „Herr, du weißt alles. Du weißt doch auch, wie sehr ich dich liebe!“ Darauf sagte Jesus: „Dann hüte meine Schafe!“ (Johannes 21,15-17).

Jesus fragte nicht: „Wie konnte es bloß passieren, dass du mich verleugnest?“ Er fragte: „Hast du mich lieb?“ Jesus geht auf die Beziehungsebene. Das Maß deiner Liebe für ihn bestimmt die Ebene der Beziehung. Du hast dich bestimmt schon mal gefragt: Nimmt Jesus einen anderen, wenn ich mal versage? Nein, Jesus bleibt an uns dran, selbst wenn wir es vermasselt haben. Er hat sich zwölf Chaoten als seine Jünger ausgesucht. Er suchte nicht religiöse Profis, denn die konnte er nicht gebrauchen. Die waren damals sogar gegen ihn.

Er hat einen Jungen mit einem Vesperpaket gebraucht, um fünftausend Familien satt zu machen, obwohl Jesus ja auch die Manna-Lösung hätte anwenden können. Er lief den Emmaus-Jüngern nach, die von Jesus enttäuscht waren, weil er sie gebrauchen wollte. Gott gebrauchte Maria, um Jesus auf diese Erde zu bringen. Und aus lauter Liebe hat er auch beschlossen, dich zu gebrauchen! Seine Freundschaft ist verbindlich und enttäuscht nicht! Jesus braucht dich nicht, weil er jemanden braucht. Er braucht dich, weil er schon bei der Schöpfung beschlossen hat, dich dafür zu gebrauchen, seinen Auftrag auszuführen.


Aus: Freude am Leben Nr. 12 | Dezember 2017

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