
Dankbarkeit mitten im Sturm
Hast du schon einmal daran gedacht, Gott Danke zu sagen in den Herausforderungen deines Lebens? Wir kennen alle die Momente, in denen uns das Klagen viel leichter fällt als das Danken. Aber was passiert, wenn wir die Perspektive wechseln und Gott auch im Sturm danken, noch bevor wir das Ziel sehen?
Zum Lobpreis entscheiden
Paulus schreibt einige seiner kraftvollsten Worte ausgerechnet aus dem Gefängnis. Er hätte allen Grund, niedergeschlagen und entmutigt zu sein, oder in Bitterkeit zu verfallen. Doch er schreibt über Hoffnung und Lobpreis und ruft dazu auf: „Freut euch im Herrn allezeit!“ (Philipper 4,4).
Als er und Silas in Philippi im dunklen, dreckigen Verlies sitzen, mit einem schweren Holzblock um die Beine, die Rücken blutig von den Peitschenhieben, loben sie Gott. Vor den anderen Gefangenen singen sie ihm Lieder und beten ihn an. Ihr Vertrauen und ihr Glaube an seine Treue hängen nicht an Umständen oder ihrem Befinden. Paulus ignoriert seine Ketten nicht. Aber er weiß: Gott ist größer als seine Umstände.
»Sagt in allem Dank, denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.«
– 1. Thessalonicher 5,18
Dankbarkeit ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Wenn wir uns für den Dank entscheiden, schauen wir weg von uns selbst und hin auf Gottes Größe.
Dankbarkeit als Lebensstil
Die Bibel macht deutlich: Dankbarkeit ist kein Randthema, sondern ein Lebensstil. Jesus lebt ihn vor. Er dankt bewusst, wo menschlich gesehen noch kein Wunder sichtbar ist. Als 5.000 Männer und noch mehr Frauen und Kinder hungrig vor ihm sitzen, dankt er für fünf Brote und zwei Fische, obwohl sie für die Menge niemals ausreichen konnten. Er dankt vor dem Wunder – nicht erst danach, wenn er schon weiß, wie es ausgegangen ist. Sein Dank ist Ausdruck von Beziehung und Vertrauen zum Vater. Als Jesus das letzte Mal mit allen Jüngern das Abendmahl nimmt, dankt er, obwohl er genau weiß: Judas wird ihn verraten, Petrus wird ihn verleugnen und der Weg wird ihn ans Kreuz führen. Jesus dankt, weil er weiß, dass er im Willen des Vaters lebt, dass der Vater bei ihm ist und dass selbst aus dem Schwersten Segen entstehen wird. Sein Beispiel zeigt: Dankbarkeit hängt nicht von perfekten Umständen ab, sondern von unserem Vertrauen in Gott. Sie richtet unseren Blick weg von dem, was uns fehlt, und hin zu Gottes Möglichkeiten. So verändert sich unsere innere Haltung und hilft uns, auch in schwierigen Situationen mit Gottes Handeln zu rechnen.
Wunder in der Wüste
Solche Wunder erleben auch die Israeliten in der Wüste. Aber ihre Reaktion ist eine andere. Gott hat sie spektakulär aus der Sklaverei in Ägypten befreit. 600.000 Männer, dazu Frauen und Kinder. Unser Verstand sagt: Eine unmögliche Situation! Wie sollen all diese Menschen organisiert werden? Wie sollen sie mit ihrem Vieh versorgt werden? Woher sollen sie Wasser bekommen? Doch Gott selbst begleitet sie in einer Wolken- und Feuersäule. Essen fällt vom Himmel. Wasser sprudelt aus Felsen. Wunder über Wunder geschehen. An Gottes Versorgung in der Wüste zeigt sich Gottes Größe!
Wenn wir das alles hören, denken wir: Wie dankbar müssen die Israeliten gewesen sein?! Doch sie sind so verstrickt in ihr Wüstendenken, dass sie das Gute gar nicht sehen. Sie fangen an zu murren und zu klagen. Vergessen ist, wie schlecht es ihnen in Ägypten ergangen war, unterdrückt und gequält in Sklaverei. Ihren ganzen Frust bekommt Mose zu spüren, als sie ihn empört fragen: „Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, an die Gurken und an die Melonen und an den Lauch und an die Zwiebeln und an den Knoblauch; und nun ist unsere Kehle vertrocknet; gar nichts ist da, nur auf das Manna sehen unsere Augen“ (4. Mose 11,4-6). Sie konzentrieren sich auf das, was fehlt, statt auf das, was Gott bereits getan hat. „Gar nichts ist da!“, beschweren sie sich.
»Dankbarkeit hängt nicht von perfekten Umständen ab, sondern von unserem Vertrauen in Gott.«
Ist es bei uns nicht auch manchmal so? Gott versorgt uns in unseren Lebenswüsten, aber wir sind blind dafür, kreisen nur um uns selbst und denken: „Nichts ist da!“ Statt all der Hilfe sehen wir nur die Schwierigkeiten vor uns. Auch der Teufel stellt uns immer vor Augen, was uns fehlt. Das zieht er ganz groß auf: den Mangel, die Widrigkeiten, Entmutigung, die Vergangenheit, richtet den Blick zurück auf Schuld oder schmerzhafte Erfahrungen. Er will, dass wir Gott aus den Augen verlieren. Undank macht blind für Gottes Güte in unserem Leben.
Ungeahnte Möglichkeiten
Das Murren und Klagen verbreitet sich im ganzen Lager. Selbst Mose lässt sich anstecken. Wir lesen davon in 4. Mose: „Musst du mir wirklich die Verantwortung für dieses ganze Volk aufhalsen? Hast du denn kein Erbarmen mit mir?“, fragt er Gott. Daraufhin verteilt Gott die Verantwortung auf mehrere Schultern und verspricht auch, die Versorgungslage zu ändern: „Morgen werdet ihr Fleisch bekommen!“ Doch sogar Mose hält es für unmöglich, in der Wüste für alle Fleisch zu besorgen. Er erwidert: „Dieses Volk hat allein 600.000 wehrfähige Männer, und du willst uns Fleisch für einen ganzen Monat geben? Wie viele Schafe, Ziegen und Rinder sollen denn geschlachtet werden, damit es für alle reicht? Oder willst du alle Fische im Meer fangen, damit jeder etwas bekommt?“
Aus menschlicher Sicht ist es total absurd, in der Wüste Fleisch für über eine Million Menschen aufzutreiben. Vielleicht denkst du in deiner Lage ganz ähnlich: "Es ist total absurd, dass Gott in meiner Lage einen Ausweg hat. Unmöglich!" Aber wo es für uns unmöglich scheint, hat Gott immer noch Wege. Immer gilt: Gott ist größer als dein Problem!
Zu Mose sagt Gott: „Ist die Hand des Herrn etwa zu kurz? Du wirst bald sehen, ob ich mein Wort halte oder nicht!“ Und dann können Mose und die Israeliten zusehen, wie er aus der aussichtslosen Lage sein Wunder geschehen lässt: „Der Herr ließ einen starken Wind aufkommen und trieb gewaltige Schwärme Wachteln vom Meer herbei. Sie fielen in der Nähe des Lagers zu Boden und blieben im Umkreis von etwa dreißig Kilometern bis zu einem Meter hoch liegen. Die Israeliten brauchten den ganzen Tag, die Nacht und auch noch den nächsten Tag, um die Vögel aufzulesen. Jeder hatte hinterher mindestens zehn große Körbe voll. Dann wurde das Fleisch der Vögel rings um das Lager ausgebreitet, damit es in der Sonne trocknen konnte.“
Gott hatte gefragt: „Ist meine Hand etwa zu kurz?“ – und hatte damit gemeint: Traust du mir das nicht zu? Er beweist, dass seine Macht keine Grenzen hat. Er macht Unmögliches möglich. Er hat Möglichkeiten, die wir nicht sehen.
Was löst dieser Bibeltext in deinem Herzen aus? Winkst du ab und hältst alles für alte Geschichten? Oder weckt er in dir den Glauben, dass Gott kann? Du darfst sicher sein: Auch für dich hat Gott einen Weg. Gib Gott das, was du für unmöglich hältst, und erwarte sein Eingreifen. Erinnere dich an das Gute, das er schon getan hat. Vertraue darauf, dass er treu ist. Und entwickle eine Haltung der Dankbarkeit. Dankbarkeit ist ein Lebensstil, der uns Frieden schenkt in stürmischen Zeiten.
Mehr als ein Wunder
Als Jesus mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem ist, begegnet er zehn Männern mit Aussatz. Sie bitten ihn um Hilfe. Jesus fordert sie daraufhin auf, zu den Priestern zu gehen. Während sie unterwegs sind, werden sie gesund. Doch nur einer kehrt um. Neun freuen sich über das Geschenk. Nur einer sucht den Geber und beginnt Gott zu danken und zu loben. Das Wunder haben alle erlebt, aber nur einer hat ein dankbares Herz. Jesus fragt: „Wo sind die anderen neun?“ Viele Menschen empfangen Gottes Hilfe, aber nicht alle entwickeln ein dankbares Herz. Bist du der Eine?
Isolde Müller, Leiterin des Missionswerk Karlsruhe
Hier kannst du die Predigt online ansehen: