Manchmal lassen wir uns von den Umständen unseres Lebens treiben. Zeit das Steuer selbst in die Hand zu nehmen, meint Daniel Müller und zeigt dir, wie das praktisch aussieht.

Viele Christen sind unterwegs mit der Einstellung: „Gott, du machst schon alles recht.“ Und dann kommen die Böen und die Wellen, es bläst sie hierhin und dorthin, der Wind dreht, sie werden zurückgeworfen und treiben weiter und sie sagen: „Gott, du machst das schon, Hauptsache, ich bin irgendwann bei dir.“ Und das ist falsch. Du selbst hältst das Steuerrad deines Lebens. Nicht der Wind, nicht die Wellen, sondern du bestimmst deine Richtung!

So habe ich es auch auf dem Segeltörn erlebt, den ich im Frühjahr unternehmen durfte. Als wir losgefahren sind, hat der Skipper geschaut, dass wir gut aus dem Hafen rauskamen, denn das ist gar nicht so einfach mit so einem großen Kahn. Irgendwann draußen auf der See fragte der Skipper: „Daniel, möchtest du mal ans Steuer?“ Natürlich wollte ich! Und es war herrlich.

Das Steuerrad für ein solches Schiff in der Hand zu halten, ist etwas ganz Besonderes. Ich musste erst lernen, wie das Schiff auf mein Steuern reagiert, wie es sich bewegt, und als ich schon dachte, ich hätte mich daran gewöhnt, machte es „Flop!“ – und wir standen. Der Skipper neben mir sagte: „Du musst auch auf den Wind achten!“ Denn nur wenn der Wind in die Segel bläst, kommt man voran. Und er zeigte mir, wie ich auf den Instrumenten ablesen konnte, dass es mit dem Wind und den Segeln stimmte.

Dann sagte der Skipper: „Du musst auch das Ziel im Blick behalten. Siehst du dahinten das Tal mit dem weißen Strand davor? Da wollen wir hin!“ Und ich merkte: Es ist richtig anstrengend. Ich muss mich völlig konzentrieren und die Instrumente und alles andere im Blick behalten. Ich war dankbar, dass der Skipper neben mir stand und sagte: „Daniel, mach es so und jetzt schau hier und nun da lang.“

Ich habe einmal ein Gemälde gesehen von einem Schiff auf dem rauen Meer. Am Ruder stand ein Steuermann – und Gottes Hand lag auf seiner Schulter. Wir denken gern, Gott tut alles für uns, er nimmt uns alles ab. Doch das Steuerrad unseres Lebens halten wir selbst in der Hand! Gott sagt: Geh du ans Ruder. Und er stellt sich neben uns und zeigt uns, wie es geht. Das ist ein großer Unterschied!

Das Ziel vor Augen          

Ich segelte also unser Schiff und hielt es wie beim Autofahren: Ich segelte geradeaus. Doch geradeaus bedeutet auf dem Meer, nach jeder Welle in eine andere Richtung zu fahren. Der Wind trieb uns hin und her. Da fiel mir die Andacht ein, die wir vorher gehört hatten: Du kannst kein Ziel erreichen, das du nicht kennst!

Viele Menschen sind ohne Ziel auf dem großen Meer des Alltags unterwegs. Sie treiben nur dorthin, wo der Wind sie hinbläst. Doch ankommen können wir nur, wenn wir das Ruder in die Hand nehmen und konzentriert ein Ziel vor Augen haben.

Das gilt auf dem Wasser genauso wie für dein Leben. Wer sich nur von Wind und Wellen treiben lässt, landet dort, wo auch der ganze Müll hingetrieben wird. Wenn wir unser Ruder nicht in der Hand halten, nimmt unser Lebensschiff die Richtung der Strömung an und nicht die Richtung, in die wir fahren wollen. Deshalb: Nimm das Ruder deines Lebens in die Hand, kenne das Ziel, das du ansteuern willst, und behalte deine Richtung.

Sind wir ehrlich: Für so manche Situation unseres Lebens sind wir selbst verantwortlich, weil wir einfach nichts getan haben. Wir haben das Steuer nicht festgehalten, wir hatten das Ziel nicht vor Augen, wir waren nicht wachsam. Und plötzlich waren unter dem Wasser scharfe Felsen, die uns schaden oder Netze, die uns gefangen nehmen. Wenn wir uns nur dahintreiben lassen, finden wir uns in so manchen Ecken wieder, in die wir gar nicht gehören. Nicht die Wellen, nicht der Wind, nicht unsere Umstände sollen entscheiden, wo wir mit unserem Segelschiff ankommen, sondern unser Steuer

Durch Gegenwind kreuzen

Manchmal wurde es anstrengend auf unserem Schiff, manchmal wurden wir nass. Für solche Situationen haben wir Rettungswesten, feste Schuhe und Windjacken angezogen. Was schützt dich gegen Unwetter? Gebet, Lobpreis, Gottes Wort, Dankbarkeit, die Nähe zu Gott – sie alle können uns stark machen im Glauben, damit wir gegen Unwetter geschützt sind. Im Sturm und Regen zu segeln, hat nicht immer Spaß gemacht – wir mussten durchhalten, dann kam die Sonne wieder.

Das Spannende beim Segeln ist: Egal, wie stark der Gegenwind bläst, man kann die Segel so setzen, dass man auch gegen den Wind vorwärtskommt. In der Seglersprache heißt das interessanterweise „kreuzen“. Für mich ist das ein Symbol für das Kreuz, an dem Jesus starb: Auch bei Gegenwind können wir dank seiner Auferstehung unser Ziel erreichen. An seinem Kreuz hat er den Tod – den schlimmsten Gegenwind überhaupt! – besiegt. Er ist das Leben. Mit ihm zusammen können wir auch gegen den Sturm kreuzen und ans Ziel kommen.

Doch selbst wenn wir das Steuerrad fest in der Hand halten, hat es nur eine Wirkung, wenn das Schiff im Wasser liegt. Nach unserer Fahrt wurde das Schiff im Hafen mit einem Kran aus dem Wasser gehoben, um zu prüfen, ob das Ruder noch in Ordnung ist. Oben in der Luft war das Ruder nur ein nutzloses Brett am Schiff. Man hätte das Ruder bewegen können, aber es hätte keine Richtungsänderung bewirkt. Im Trockendock kommen wir nicht ans Ziel. Manche Christen reden viel von all den Möglichkeiten und was man tun könnte – aber es bewegt sich nichts. Unser Schiff fährt nur, wenn wir Tiefgang haben. Unser Lebensschiff muss raus aufs Meer, in die Herausforderungen und Möglichkeiten, damit es sich bewegen lässt.

Unser Ruder: die Zunge

Auch in der Bibel lesen wir von einem Ruder:

„Mit einem winzigen Ruder lenkt der Steuermann ein großes Schiff sogar bei starkem Wind, wohin er will. Genauso ist es mit der Zunge: So klein sie auch ist, so groß ist ihre Wirkung!“ (Jakobus 3,4.5)

Und in Vers 2 schreibt Jakobus sogar:

„Wer seine Zunge im Zaum hält, kann seinen ganzen Körper beherrschen.“

So wie ein kleines Ruder ein großes Schiff bewegen kann, so hat unsere Zunge über unseren ganzen Körper. Mit unserer Zunge halten wir unser Leben auf Kurs. Wie viel Quatsch reden wir oft. Und verlieren damit die Richtung. Deshalb brich die Macht deiner lieblosen und negativen Worte! Deine Worte schaffen Fakten. Du kannst mit deinen Worten andere ermutigen oder runterziehen, du kannst jammern oder Gott dankbar loben. Sprich den Glauben aus, sprich Verheißungen aus. Dein Reden bestimmt, wohin du kommst. Deine Zunge ist das Ruder, das deinen Kurs bestimmt.

Wo du gerade bist, ist deine Entscheidung. Nicht deine Umstände bestimmen deine Richtung. Der Kurs deines Lebens liegt in deinem Steuer! Ja, der Wind weht manchmal heftig, ja, die Wellen sind manchmal hoch – doch du als Steuermann deines Lebens bestimmst den Kurs, nicht deine Umstände. Wir denken manchmal: „Ach ja, das will Gott halt so und dann will er eben nicht, dass ich dahinkomme.“ Das stimmt nicht. Nimm das Steuerrad in die Hand, kenne dein Ziel und verfolge es mit aller Kraft. Und Gott legt dazu seine Hand auf deine Schulter und der Heilige Geist wird dich führen. Bei einer Segelregatta bekommt nicht der den Preis, der dabei war, sondern der das Ziel erreicht hat. Sei ein Sieger im Kampf dieses Lebens!


Daniel Müller, 
Leiter des Missionswerks

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