Kein Lockdown für die Liebe

Wie ist dein Umgang mit Andersdenkenden in Zeiten von Corona? Daniel Müller erinnert in Liebe zu handeln.

»Richtet keinen Menschen, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Wenn ihr vergebt, dann wird auch euch vergeben.«

Lukas 6,37

Manchmal scheint es, die ganze Welt wäre durcheinandergeraten. In den Nachrichten hören wir von gleichzeitigem Chaos an vielen Orten weltweit. Unbekannte Gefahren für unser Leben sind auf einmal überall. Die Politiker reagieren und wollen die Menschen schützen. Die Forschung tappt oft noch im Dunkeln, weil die Erfahrungswerte fehlen. Doch interessanterweise meinen Christen häufig, die ganze Wahrheit zu kennen. Komisch nur, dass verschiedene Christen unterschiedliche Interpretationen von Bibelstellen nennen und zu konträren „Wahrheiten“ kommen. Ich habe schon erlebt, dass Christen sich gegenseitig den Glauben absprechen, dass unbedacht Flüche und Urteile ausgesprochen werden, dass Freundschaften zerbrechen und Feindschaft entsteht. Und all das unter Christen. 

Kraft der Erlösung

Lasst uns nicht vergessen: Wir stehen in einem geistlichen Kampf. In Epheser 6,12 lesen wir:

„Wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben.“

Die Bibel zeigt uns, dass wir in einem Kampf zwischen Licht und Finsternis leben. Die stärkste Kraft ist auf unserer Seite: Der Heilige Geist hat die Macht, um gegen diese dunklen Mächte in der unsichtbaren Weilt anzugehen. Was wir aber gerade sehen, ist etwas anderes, nämlich dass auch Christen in der sichtbaren Welt kämpfen – gegen Mächte, die aus der unsichtbaren Welt kommen. Oft klingt es in den Diskussionen, als meinten Christen, sie müssten mit ihren Meinungen die Welt retten. Aber das müssen wir nicht. Denn die Welt wurde schon gerettet – von Jesus! In ihm ist die eine Wahrheit und die ist in sich nie konträr.

Wir Christen haben doch die Aufgabe, die Freude und Kraft der Erlösung weiterzugeben! Darin liegen Gottes Lösungen – und nicht in unserer selbstgebastelten Wahrheit, die wir uns mit unserem begrenzten Wissen zusammensetzen.

Nehmen wir uns zu Herzen, was Paulus den Korinthern schrieb:

„Alles menschliche Denken nehmen wir gefangen und unterstellen es Christus, dem es gehorchen muss.“

2. Korinther 10,5

Lasst uns zum Gehorsam bereit sein. Gott ist nicht auf unsere Lösungen und Meinungen angewiesen. Er ist so kreativ, dass wir in der Bibel ungewöhnliche Lösungen finden, die über das menschliche Denken weit hinausgehen.

Wir sehen es bei Joschafat, dem König von Juda. Sein Sieg beruhte nicht auf Strategien, nicht auf Kampfkraft, nicht auf einer Mehrzahl an Meinungen, sondern er stellte Sänger in die erste Reihe seines Heeres und sie lobten Gott in Festgewändern. Sie waren der Schlüssel, um die Ammoniter zu besiegen. Sein fester Glaube an Gottes Zusage, sie würden siegen, ohne zu kämpfen, war das Fundament für diesen Sieg!

Identität in Jesus

Die ganze Welt steckt überall in denselben Schwierigkeiten. Hat Gott nicht mehr alles im Griff? Woher kommt die Lösung? Wie sieht es aus bei Gottes Bodenpersonal? Leider können wir beobachten, wie Christen sich bekämpfen und spalten. Aber die Frage ist doch: Hat Gott einen Lockdown für die Liebe beschlossen? Gelten denn auf einmal Beschränkungen für unser Lieben, Wertschätzen und Vergeben? Nein! Es gilt dieselbe Botschaft der Bibel, die wir auch schon vor Corona einüben wollten: Wir begegnen Menschen, indem wir sie lieben, wertschätzen und ihnen vergeben. 

Viele Christen haben in der heutigen Zeit eine begründete Meinung – nicht mehr und nicht weniger –, stellen diese aber als Wahrheit dar. Und Christen, die anders denken, tun es genauso. Beide Seiten begründen ihre Haltung mit Bibelstellen. Aber können wir uns wirklich anmaßen, mit unserem begrenzten Wissen die ganze Wahrheit zu kennen? Warum verurteilen und richten wir Gläubige wie auch Ungläubige? Ich verstehe die Bibel so, dass sie genau das Sünde nennt.

Gott hat keinen Lockdown beschlossen für „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das Gebot der Nächstenliebe gilt nicht nur weiterhin, sondern ohne Liebe entmachten wir Gott sogar in unserem Leben. Ohne Liebe halten wir nur noch ein Schild hoch, auf dem „Christ“ steht, sind aber wie alle anderen. „Weil Gottes Gebote immer stärker missachtet werden, setzt sich das Böse überall durch“, lesen wir in Matthäus 24,12: „Die Liebe wird bei den meisten von euch erkalten.“ Wenn wir unsere Identität in Jesus kennen, können wir die konträre Meinung des Nächsten stehenlassen. Schließlich heißt es: „Liebe deinen Nächsten“ und nicht: Liebe alle Gleichdenkenden.

Die Lösung

Lasst uns unsere Identität ernstnehmen: Wir sind Kinder des lebendigen Gottes mitsamt der ganzen Ausrüstung unserer Erlösung! Zeichen und Wunder sollen uns Christen umgeben. Und die Welt um dich braucht kreative Lösungen, die es nur bei Jesus gibt – der in dir lebt! Jetzt ist die Zeit, das Licht in die Dunkelheit zu bringen, das wir so viele Jahrzehnte in Gottesdiensten besungen und angebetet haben. Wo ist deine Courage, dieser Welt das Licht zu bringen? Wo ist dein Mut, dieser Welt die Liebe Gottes in dir zu zeigen? Die ganze Welt ist entmutigt und ratlos. Sie braucht Christen, die ihre Identität ernstnehmen als Kinder eines Gottes, der Hoffnung, Licht und Lösungen schenken will.

Ein Junge war einmal sehr entmutigt. Als seine Lehrerin davon erfuhr, steckte sie ihm einen kleinen Zettel zu mit der Aufschrift: „Du schaffst es!“ Der Junge hob den Zettel in seinem Geldbeutel auf. Nach vielen Jahren brach Krieg aus im Land und er musste als Soldat kämpfen. Es sah gar nicht gut aus, doch als er seinen Geldbeutel öffnete, entdeckte er den kleinen Zettel wieder: „Du schaffst es!“ und ihn durchfuhr dieselbe Hoffnung, die er schon als kleiner Junge gespürt hatte.

Wo sind diejenigen, die ihrem Nächsten einen solchen Zettel zustecken? Wo sprechen wir anderen zu: „Du schaffst das!“? Wo bringen wir Christen Gottes Lösungen zu den Menschen?

Kreativität, Integrität und Exzellenz gehören zur Substanz unseres Glaubens und sie sind gerade in dieser Zeit gefragt! Der Vater hat den perfekten Plan für diese Welt und wir als seine Söhne und Töchter haben mehr zu bieten, als nur unsere Meinung zu verbreiten: Wir haben Zeichen und Wunder für diese Welt! Lass Gottes ganze Kraft in deinem Leben frei. Biete ihm dein Leben an, sei authentisch, kreativ, kraftvoll und exzellent – damit er dich für die Menschen um dich herum gebrauchen kann. Lebe nicht im Lockdown der christlichen Werte, sondern praktiziere Lieben, Wertschätzen, Vergeben!

Daniel Müller, Missionswerk Karlsruhe

  • Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe "FREUDE AM LEBEN" erschienen. Falls du unser monatliches Magazin noch nicht kennst, kannst du es hier kostenlos bestellen: Link.
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