
Keine billige Gnade
Ein Mensch, der wegen seiner bösen Taten über Jahre im Gefängnis saß, erfährt plötzlich, dass er begnadigt wurde. Er kommt frei, ohne etwas dafür getan zu haben – ein unverdientes Geschenk! In Freiheit hat dieser Mensch nun die Wahl, in die alten Muster seiner Taten zurückzufallen, oder den Gesetzen entsprechend zu leben. Fällt er zurück in die alten Muster, landet er früher oder später wieder im Gefängnis.
Das ist vergleichbar mit unserem geistlichen Leben. Wer sich in Sünde verstrickt hat und tut, was Gott nicht gefällt, lebt in geistlicher Gefangenschaft. Doch Gott möchte uns die Hand reichen, uns die Sünden vergeben und Freiheit schenken. Wenn wir diese Sündenvergebung erfahren, aber nicht darin leben, landen wir erneut in Gefangenschaft.
Ausgestreckte Hand
Als Jesus zu Beginn seines Wirkens nach Nazareth kam, ging er in die Synagoge und ließ sich die Schriftrolle Jesaja reichen. Er las daraus vor:
„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn.“
Lukas 4,18-19
Jesus hat damit ausgedrückt, wofür er gekommen ist: nämlich Menschen die Freiheit zu bringen und Gefangenen die Türe aufzumachen. Eine Hand gereicht zu bekommen, die uns aus allem Schmutz und aus jeder Grube herausziehen kann, ist echte Gnade.
Diese Gnade, die Jesus uns anbietet, war nicht billig. Wenn wir davon sprechen, dass etwas „billig“ ist, meinen wir, dass es uns nicht viel kostet. Doch was Jesus für uns auf sich genommen hat, hat ihn alles gekostet. Gnade können wir deshalb erhalten, weil Jesus sie für uns mit seinem Leben erwirkt hat. Die ganze Schuld unseres Lebens können wir auf ihn abwälzen, weil er dafür den höchsten Preis bezahlt hat. Wir sind frei und begnadigt, weil Jesus seinen Weg bis zum Ende durchgestanden hat. Wir haben das Geschenk der Errettung, der Vergebung und das Geschenk der Heilung bekommen.
Die Formulierung „billige Gnade“ hat Dietrich Bonhoeffer geprägt. Ihm war wichtig, dass wir Gnade nicht verschleudern, weil wir meinen, dass sie nichts koste. Gnade meint nicht, dass alles egal ist. Sondern Gnade meint, dass wir unser neues Leben und unsere Freiheit unverdient geschenkt bekommen. Wenn wir uns bewusst machen, wie kostbar und wie teuer sie erkauft ist, legen wir sie nicht einfach in die Ecke. Sondern wir tun alles, um darin zu leben. Statt wie der begnadigte Strafgefangene in alte Muster zurückzufallen und wieder im Gefängnis zu landen, kosten wir Gottes Freiheit voll aus und leben als Nachfolger von Jesus.
Gnade ergreifen
Gottes Gnade gibt es ohne Vorbedingungen. Du musst nichts dafür tun. Sie ist dir angeboten. Nimm sie in Anspruch. Paulus hat den Korinthern darüber anschaulich geschrieben:
„Alles, was ich jetzt bin, bin ich allein durch Gottes Gnade. Und seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich habe mich mehr als alle anderen Apostel eingesetzt, aber was ich erreicht habe, war nicht meine eigene Leistung, sondern Gott selbst hat das alles in seiner Gnade bewirkt.“
1. Korinther 15,10
Seine Gnade mir gegenüber ist nicht vergeblich gewesen, schreibt Paulus. Sie ist keine billige Gnade. Er sagt: Ich habe investiert! Das, was ich bin, konnte ich nur durch seine Gnade tun. Diese Gnade gibt Kraft. Paulus hat diese Gnade ergriffen und darin gelebt. Gottes Gnade ist kein Ruhekissen. Billige Gnade meint: Mir wird sowieso vergeben, also kann ich machen, was ich will. Nachfolge brauche ich nicht, weil Gnade alles tut, kann alles beim Alten bleiben.
Neue Menschen
Gnade ist deshalb teuer, weil Jesus sein Leben für diese Gnade gegeben hat, damit wir sie empfangen können und darin leben. Kurz bevor er starb, redete Jesus zu seinen Jüngern und der Menschenmenge und beschrieb, was Nachfolge bedeutet:
„Wer sein Leben erretten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erretten. Denn was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und sein Leben einzubüßen? Denn was könnte ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben?“
Markus 8,35-37
Was kann ein Mensch bieten, um sein Leben zu retten? Nichts! Er kann seine Seele nicht erkaufen. Das Einzige, was wir tun können: die Gnade annehmen und darin leben. Unser Leben zu verlieren, heißt Nachfolge. Sie kostet uns etwas. Wir müssen etwas hergeben, nämlich unser altes Leben. Gott schenkt uns keine billige Gnade, damit wir auf dem Sofa sitzen und alles beim Alten bleibt. Er möchte uns in neue Menschen verwandeln:
„Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt.“
Römer 12,2
Der Unterschied ist, wie wir leben! Wir erfahren eine Verwandlung, ein neues Leben, ein anderes Denken.
Thron der Gnade
Wir alle kennen Situationen, in denen wir schuldig werden. Doch die Gnade steht über der Sünde. Gnade ist mächtiger als Sünde. Paulus schreibt sogar an die Römer: „Wo aber die Sünde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwänglicher geworden“ (Römer 5,20b). Gerade da, wo sich die ganze Macht der Sünde zeigte, da ist die Gnade noch mächtiger geworden! Und weiter schreibt Paulus voller Dankbarkeit:
„So wie bisher die Sünde über alle Menschen herrschte und ihnen den Tod brachte, so herrscht jetzt Gottes Gnade: Gott spricht uns von unserer Schuld frei und schenkt uns ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“
Römer 5,21
Wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so herrscht nun die Gnade und wir werden gerecht und frei gesprochen. Jederzeit können wir Gnade erlangen durch Vergebung, wenn wir zu Jesus kommen und ihn bitten. Wenn wir in dieser Gnade leben, werden wir das Ziel erreichen – das ewige Leben.
Gnade dürfen wir in unseren verschiedenen Lebensbereichen finden. Auch – oder gerade – in schwierigen Zeiten, in Zeiten der Krankheit.
Ein Vers aus dem Hebräerbrief macht uns Mut, diese Gnade aktiv zu suchen: „Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe“ (Hebräer 4,16). Geh beherzt und freimütig zum Thron der Gnade, dort findest du Hilfe – für alle Lebensbereiche und immer rechtzeitig, denn Gott kommt nie zu spät. Tritt voller Zuversicht vor den Thron der Gnade und mach dein Leben fest mit Gott.
Isolde Müller, Missionswerk Karlsruhe
Gebetsimpuls
„Vater, ich danke dir für deine Gnade. Danke, dass du mich befreit hast zu einem neuen Leben. Durch deine Gnade bin ich frei geworden und in dieser Freiheit will ich dir nachfolgen mit meinem ganzen Leben. Amen.“

Warum feiern wir Ostern?
Ähnliche Beiträge
Israel erlebt 2025
Direkt nach der Rückkehr aus Israel haben Daniel und Isolder Müller im Rahmen des Gottesdienstes am 16. März 2025 ausführlich von ihrer Reise berichtet. Sie gewähren spannende Einblicke in die feierliche Einweihung von zwei renovierten Kindergärten in Jerusalem. Zudem entsteht derzeit ein gänzlich neuer Kindergarten in Kibbuz Nir Yitzhak, nur drei Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Darüber hinaus präsentieren sie eindrücklich den fertiggestellten Andachtsplatz in Emmaus - ein Platz, der Begegnungen schaffen soll.
Jetzt anschauen
Ein Erbe für dich – nimm, was dir gehört
Ein Erbe für dich – nimm, was dir gehört: Jesus hat dir ein Testament hinterlassen – und es ist rechtsgültig. Du bist Sohn, du bist Tochter, du bist Erbe. Alles, was er erkauft hat, gehört dir. Tauche ein in diese ermutigende Botschaft und entdecke, dass Jesus dir ein rechtsgültiges Testament hinterlassen hat, das dein Herz auch in Zeiten von Druck oder innerer Leere verändert. Wenn du annimmst, was dir als Sohn oder Tochter zusteht, und den Mut hast, diesem Erbe zu vertrauen, wirst du erleben, wie seine Gegenwart und sein Reden dein Leben auf ein völlig neues Fundament stellen. Wir laden dich herzlich ein, Teil unserer Gemeinschaft in Karlsruhe zu sein und gemeinsam zu erfahren, wie wir als Erben Gottes Tiefe gewinnen, Halt finden und unser Leben durch sein rechtmäßiges Wirken nachhaltig verändert wird.
Jetzt anschauen
Auf der Suche nach dem wahren Licht
In der Adventszeit erinnern wir uns daran, wie der „unbekannte Gott“ in Jesus Christus sichtbar wurde. Paulus‘ Predigt in Athen (Apostelgeschichte 17), zeigt wie wir heute Menschen begegnen können, die nach Sinn suchen. Erlebe, wie Gott uns im Alltag nahe ist, moderne „Götzen“ überwunden werden können und die Auferstehung als Quelle der Hoffnung dient. Lass dich ermutigen, das Licht von Weihnachten in deinem Leben strahlen zu lassen – Jesus, das wahre Licht der Welt! ✨
Jetzt anschauen