Bittere Kräuter

Erfahre von Isolde Müller warum uns eine bittere Mahlzeit, die Gott den Israeliten vorschrieb, heute noch viel zu sagen hat.

In diesen Wochen beginnt die Erntezeit vieler frischer Kräuter. Rosmarinzweige lassen sich mancherorts jetzt schon ernten. Egal ob sie auf der Fensterbank, im Balkonkasten oder Garten wachsen: Frische Kräuter sind aus einer gesunden Küche kaum wegzudenken. Dill, Majoran oder Salbei verleihen vielen Gerichten erst ihren typischen Geschmack. 
Seltener wird dagegen zu Weinraute, Wermut oder Ysop gegriffen. Sie können ein Essen ganz schön vermasseln. Denn alle haben einen strengen und bitteren Geschmack. Die Weinraute wird sogar verwendet, um Ameisen fernzuhalten, und das Wermutkraut ist als Zutat für bittere Spirituosen bekannt. Bittere Kräuter verwenden wir noch am ehesten, wenn wir uns den Magen verdorben haben und einen so genannten „Magenbitter“ trinken. In einem Magenbitterrezept, das ich gelesen habe, stand: Der Magenbitter schmeckt nicht gut, aber er hilft!

Besonderes Mahl

In der Bibel bekamen „bittere Kräuter“ eine ganz besondere Bedeutung. Bevor der Pharao das Volk Israel aus Ägypten fortziehen ließ, erklärte Gott Mose und Aaron, was sie in Vorbereitung darauf tun sollten (2. Mose 12,3-9): Sie sollten den Israeliten ausrichten, dass jede Familie sich ein Lamm oder Zicklein auswählen oder eins mit den Nachbarn teilen sollten, sodass jeder genug Fleisch bekam, aber auch nichts übrigblieb. An einem festgesetzten Tag sollten sie in der Abenddämmerung geschlachtet werden. Etwas von dem aufgefangenen Blut sollten die Israeliten rundum an die Türrahmen jenes Hauses streichen, in dem sie das Fleisch aßen. Noch in derselben Nacht sollte das Fleisch über dem Feuer gebraten werden. „Mit bitteren Kräutern sollt ihr es essen!“, erklärte Gott. Außerdem sollte es Brot dazu geben, das ohne Sauerteig gebacken war.

„Ihr dürft das Fleisch nicht roh oder gekocht verzehren; es muss über dem Feuer gebraten sein, und zwar das ganze Tier mit Kopf, Unterschenkeln und Innereien. Lasst nichts bis zum nächsten Morgen übrig, sondern verbrennt das restliche Fleisch.“

 
So ein Lammbraten am Feuer gegart und mit Brot serviert, ist schon etwas Besonderes. Das schmeckt richtig gut. Doch dann lesen wir: „Mit bitteren Kräutern sollt ihr es essen!“ Das schmeckt uns schon nicht mehr so. Dazu sollte das ganze Tier mit Kopf und Innereien verzehrt werden, ohne dass am nächsten Morgen etwas übrigblieb. 

Bittere Erfahrungen

Was haben die Menschen damals wohl darüber gedacht? Ich glaube nicht, dass sich jeder so sehr über diese bitteren Kräuter gefreut hat. Hat mancher die Kräuter vielleicht ganz klein geschnitten, sodass man sie nicht so merkte? Oder vermischt mit etwas anderem? Oder die Luft angehalten und einfach schnell hinuntergeschluckt? Ganz sicher jedenfalls haben sie nicht jedem geschmeckt. Und auch Kopf und Eingeweide waren bestimmt nicht jedermanns Sache.
Damals hat Gott befohlen, dass die bitteren Kräuter dazu gehören. Dass sie gegessen werden müssen. Und auch heute gehören bittere Kräuter zu unserem Leben. Nicht unbedingt in der Küche, aber wir kennen anderes, das uns bitter aufstößt: Situationen und Erfahrungen, die uns nicht gefallen, die wir aber aus unserem Leben nicht ausklammern können wie Krankheit, Verleumdung, Verletzungen oder Vorwürfe. Manchmal gilt dafür sogar das, was im Magenbitterrezept stand: Schmeckt nicht gut, aber es hilft! Wir wünschen uns solche Erfahrungen nicht, aber sie können uns näher zu Gott bringen und uns helfen, ihn näher kennenzulernen.

Das fehlerlose Lamm

Das Mahl, was Gott den Israeliten damals vorgeschrieben hat, können wir auch als Vorausschau auf Jesus verstehen: Er wird im Neuen Testament als das vollkommene, fehlerlose Lamm beschrieben, das sein Blut für uns vergossen hat. Mit seiner Auferstehung hat er die Macht des Todes besiegt und gibt uns Schutz vor den Folgen der Süde. So wie die Israeliten das Blut an ihre Türpfosten strichen und der Todesengel vorüberging, haben wir durch Jesu Blut ewiges Leben (2. Mose 12,23). Wenn wir Jesus in unser Leben aufgenommen haben, sieht der Verderber das Blut von Jesus und es wird ihm verwehrt in unser Leben zu kommen, wenn wir ihm keine Türe öffnen.
So wie die Israeliten das Lamm aßen, so nehmen wir Jesus ganz in unser Leben auf: Wir glauben seine Botschaft und leben danach. Auch die Punkte, die uns vielleicht nicht schmecken oder uns schwerfallen wie vergeben, Böses mit Gutem vergelten, nicht neidisch, stolz oder eifersüchtig sein, nicht auf andere herabschauen. 

Jesus litt

Und dann sind da noch die bitteren Kräuter, das Unangenehme, das uns im Herzen Schmerzen bereitet. In 2. Timotheus 2,3 schreibt Paulus beispielsweise an Timotheus:

„Als ein guter Kämpf im Dienst von Jesus Christus musst du so wie ich bereit sein, auch für ihn zu leiden.“

 
Kein Wort, das wir gerne lesen: „Leiden“. Da steckt bitteres Kraut drin. Jetzt stellt sich die Frage: Was sind das für Leiden? Wenn wir Jesu Leben auf dieser Erde betrachten, sehen wir: Jesus musste Ablehnung, Unverständnis, Lügen und Drohungen erleiden. Er hat geweint über die Stadt Jerusalem und über die Menschen, die hartherzig und verstockt waren. Die Gläubigen damals wiesen ihn zurück und verachteten ihn. Jesus hat genauso darunter gelitten, wie du und ich darunter leiden. Als Lazarus gestorben war, wurde er mit Vorwürfen empfangen. Zuerst von Martha:

„Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre das nicht passiert.“ Dann Maria: „Mein Bruder wäre nicht gestorben, wenn du hier gewesen wärst.“

 
Wir lesen dann, dass Jesus darüber erzürnt und erschüttert war. Es tat ihm weh, dass seine besten Freunde ihm Vorwürfe machten, statt ihm zu vertrauen. 
Trägst du einen Schmerz in dir, weil Nahestehende dir Vorwürfe machen und dir nicht vertrauen? Das sind die Leiden, von denen die Bibel spricht. An diesen Leiden, die Jesus auch durchlebt hat, haben wir Anteil. Es sind bittere Kräuter. Sie tun weh in unserer Seele und in unserem Herzen. 

Ein für alle Mal

Die Israeliten hatten keine Möglichkeit, dem sofortigen Tod zu entkommen, es sei denn sie opferten und aßen das Lamm und strichen das Blut an die Türen. Als Christen, die Jesus nachfolgen, müssen wir heute nicht mehr Gesetze erfüllen und wiederkehrende Rituale ausführen. Jesus ist dafür ans Kreuz gegangen und auferstanden. 
Wir dürfen auch die bitteren Kräuter ans Kreuz bringen und dort lassen. Alles, was bitter ist in deinem Leben lade ab! Alles, was dir Kummer und Sorgen macht, lade ab. Lass es los und bringe es ans Kreuz. Die Israeliten mussten die bitteren Kräuter essen und das Blut sinnbildlich an die Türe streichen als Zeichen, dass das Blut des fehlerlosen Lammes sie schützte. Jesus, das fehlerlose Lamm, ist ein für alle Mal für dich und mich gestorben. Dennoch passieren in unserem Leben Dinge, die uns nicht gefallen. Jeder von uns hat diese Erfahrung schon gemacht. Lass dich nicht abschrecken von diesen „bitteren Kräutern“ in deinem Leben. Es gibt einen Ort, an dem du Lösungen findest – am Kreuz. Nutze diese Möglichkeit!
Isolde Müller, Missionswerk Karlsruhe

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