Gibt es einen Unterschied zwischen Einssein und Einheit? Daniel Müller nimmt uns mit hinein in eine spannende Wortbetrachtung.

Wir hatten in den letzten Monaten einige hochrangige, auch internationale Redner im Missionswerk zu Gast. Viele haben uns bei ihren Besuchen angekündigt, dass etwas ganz Neues bei uns geschehen wird. Etwas, das noch nie da war. Verstärkt werden wir Zeichen und Wunder erleben. Und das alles werde geschehen, weil wir ein Ort sind, an dem „Oneness“ und nicht „Unity“ herrsche. Beide englischen Wörter bedeuten im Deutschen „Einheit“. Deshalb habe ich mich einmal daran gemacht, den Unterschied zwischen „Oneness“ und „Unity“ herauszufinden. Jeder wünscht sich Einheit: zwischenmenschlich, politisch, Völker verbindend, in Teams, in der Familie, im Gottesdienst. Doch trifft das Wort „Einheit“ in allen diesen Bereichen den Kern?

Geistliches Fundament

„Oneness“ – oder im Deutschen: „Einssein“ – hat eine viel tiefere Bedeutung als „Unity“. „Oneness“ finden wir in Johannes 17,21. Dort betet Jesus vor seiner Gefangennahme ausführlich für seine Nachfolger:

„Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein.“

Jesus betet darum, dass seine Nachfolger miteinander und mit Gott und Vater verwoben sind. Aus dieser „Oneness“, aus diesem Einssein von Jesus und dem Vater und aus der festen Verbindung der Jünger mit Gott, gründete sich kurz darauf die erste Gemeinde. Die 120 waren an Pfingsten in dieser „Oneness“ zusammen und erlebten das Wunder des Heiligen Geistes. Die Gemeinde entstand nicht aus einem gemeinsamen Interesse, sondern aus dem Einssein mit ihm.

Bei „Unity“ steht das gemeinsame Interesse im Zentrum, bei „Oneness“ aber das Königreich Gottes. Die menschliche Einheit „Unity“ ist von Emotionen und Umständen abhängig und nicht von Dauer. Die göttliche Einheit „Oneness“ ist ein nie endender Lebensstil. Die Frage ist: Fußt die Einheit auf menschlichem Fundament oder auf göttlichem Fundament? Göttliches Einssein ist das Fundament für jede Gemeinde.

Schiffsgemeinschaft

„Oneness“, das Einssein mit Gott und mit anderen, habe ich ganz unmittelbar bei meinem Segeltörn erlebt. Eine Woche verbrachte ich mit Dirk, unserem Skipper, und neun anderen Männern auf dem Meer. Auf dem Weg zum Schiff gingen mir viele Fragen durch den Kopf: Wer ist Dirk? Wie werden die neun Männer sein? Wird das gut gehen – obwohl mir ein Freund sagte: „Zehn Männer auf einem Boot – das geht nie gut …“? Zum verabredeten Zeitpunkt trafen wir uns im Hafenrestaurant. Oh, waren diese Männer unterschiedlich!

Unsere erste Aufgabe bestand darin, für eine Woche einzukaufen.

„Schmeckt dir das?“ – „Nee, lieber das andere!“ – „Schau mal, diese Gurken.“ – „Nimm lieber die da, die anderen mag ich nicht.“

Als wir unsere sechs Einkaufswagen 500 Meter über die Bundesstraße zum Schiff schoben, dachte ich: Wie soll das bloß auf dem Schiff werden?!

Ich bestieg das Segelboot zusammen mit den anderen und erlebte so enge räumliche Verhältnisse wie noch nie zuvor. Doch mir stach die Fußmatte in die Augen. Sie trug die Aufschrift: „The King is Here“. Ich wusste nicht, was auf mich zukam, ich kannte Dirk und die anderen nicht, doch wir begannen mit einem kurzen Gebet – und Gottes Gegenwart war da! Wir brauchten keine halbe Stunde Lobpreis, nicht einmal zehn Minuten Stille Zeit – die Atmosphäre war sofort spürbarer mit Gottes Herrlichkeit erfüllt als so manche Gottesdienste, die ich erlebt habe.

Dirk schaffte zunächst Vertrauen in unser Schiff. Er erklärte uns, dass dieses Schiff nicht durchs Steuern kentern konnte. Die einzigen Gefahren, die wir wachsam beobachten mussten, lagen außerhalb: Felsen unter Wasser, andere Boote usw. Es wuchs das Vertrauen, dass diese paar Quadratmeter schwimmende Substanz uns sicher über den tiefen Abgrund des Meeres gleiten lassen würde. Ich empfand es so, als ob Gott dasselbe über mein Leben aussprach und mir verdeutlichte: „Vertraue!“

Während der Vorstellungsrunde zeigte sich, wie ungleich wir alle waren, wie sehr wir uns in Temperament, Talent und Alter unterschieden. Doch wir erlebten sieben unvergessliche Tage und keine einzige zwischenmenschlich kritische Situation. Ich habe mich gefragt: Wie kann das sein? Im normalen Leben und auch im christlichen Bereich erlebe ich das leider nicht immer so.

Der zentrale Punkt war unsere „Oneness“, unser Einssein: Wir hörten darauf, was Gott zu uns sagte. Beim Input am Morgen, beim Lesen von Bibelversen, beim gegenseitigen Zuhören und beim Beten füreinander fiel es leicht, Gottes Stimme zu hören. Wir ermutigten uns gegenseitig, indem wir uns von unseren Erfahrungen im Leben erzählten und ein Baustein kam zum nächsten. Einer aus der Crew ermahnte uns immer mit einer unbeschreiblichen Liebe, wenn wir Sätze des Unglaubens sprachen. Wenn wir uns zu sehr in Belanglosigkeiten verstrickten, erinnerte uns Dirk: „Leute, was ihr da redet, reden die Leute auf den anderen Booten auch!“

Bei alledem waren wir kein heiliger Dampfer mit religiösen Floskeln – gar nicht. Ich denke, 90 Prozent unserer Gespräche handelten vom wahren Leben. Es ging an Bord nicht darum, Frieden halten zu müssen oder uns zu ertragen, weil es eben in der Bibel steht. Sondern der spürbare Frieden, Gottes „Oneness“, das Einssein mit Gott und miteinander hat uns diese Gemeinschaft ermöglicht.

Einheit aus Frieden

Mit seinem Blut am Kreuz hat Jesus uns an der „Oneness“ Anteil gegeben. In Kolosser 1,20 lesen wir:

Durch Christus „wollte Gott alles versöhnen und zu neuer, heilvoller Einheit verbinden. Alles, was gegeneinander streitet, wollte er zur Einheit zusammenführen, nachdem er Frieden gestiftet hat durch das Blut, das Jesus am Kreuz vergoss“.

In der „Oneness“-Einheit steckt die Kraft des Blutes von Jesus. Einssein mit Gott und Frieden gehen Hand in Hand: Durch sein Blut hat er Frieden gestiftet und dadurch alles zur „Oneness“ zusammengeführt.

Zu diesem Frieden ruft uns auch die Jahreslosung für 2019 auf: „Wendet euch ab von allem Bösen und tut Gutes! Setzt euch unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!“ (Psalm 34,15). Gottes Frieden ist weit mehr als ein Wunsch oder eine Einstellung. Seinen Frieden zwischen sich und uns Menschen hat er durch Jesus und sein Blut am Kreuz wiederhergestellt. Wenn wir diesem Frieden in uns Raum geben, beginnen wir zu spüren was „Oneness“, was Einssein bedeutet.

Keine religiöse Übung

Als Jesus vor seiner Gefangennahme mit seinem Vater über die sprach, die ihm nachfolgten, betete er auch (Johannes 17,21):

„So wie wir sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“

An unserer „Oneness“ erkennen Menschen, wer Jesus ist. Das weiß auch der Teufel, deshalb ist es geradezu sein Hobby, Einheit nur als religiöse Übung zu verkaufen. Viele Christen meinen leider, sie müssten sich bloß anstrengen und „Einheit“ vortäuschen. Ich treffe immer wieder Christen, bei denen Christus draußen steht und sie nicht mit ihm in „Oneness“ verwoben sind. Die wahre Einheit unter Christen entsteht aus dem Einssein mit ihm, aus dem Frieden, den Gott tief in uns hineinlegen möchte.

Dieser Frieden lässt sich nicht mit Friedensverträgen schließen. Wahrer Frieden kommt von innen! Wahrer Frieden kommt von einem Leben in der Nähe von Jesus und nicht durch bloße Anstrengung, Frieden zu halten. In Psalm 133 lesen wir, dass Gott seinen „Segen dorthin befohlen“ hat, wo dieser Frieden gelebt wird. Wir müssen nicht um Segen betteln, sondern dürfen in „Oneness“ mit ihm und miteinander leben – dann ist dem Segen befohlen, bei uns zu sein. Erlaube niemandem, auch nicht dir selbst, dir deinen von Gott befohlenen Segen zu rauben! Lebe in Einheit mit Jesus, sei eins mit ihm, wie Jesus mit dem Vater in Einheit lebt! „Oneness“ heißt Einssein – wir sind verschmolzen mit Jesus durch sein Blut!


Daniel Müller, 
Leiter des Missionswerk Karlsruhe

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