Dieser spannenden Frage geht die gläubige Wissenschaftlerin Dr. Caroline Leaf nach. Lies hier den Konferenz-Bericht.

Facebook, Instagram, WhatsApp oder einfach eine E-Mail – wir sind tagtäglich mit den neuesten Technologien verbunden. Fast könnte man meinen, es ginge nicht
mehr ohne sie, erklärte Dr. Caroline Leaf bei ihrem Vortrag im Missionswerk. Mitte April war sie – zusammen mit ihrem Mann Mac – zum dritten Mal zu einem Wochenende bei uns zu Gast und stellte die provokante Frage: Schaden uns die digitalen Medien? Sie berichtete von den neuesten Ergebnissen ihrer wissenschaftlichen Studien – direkt verknüpft mit dem Wort Gottes und unserem alltäglichen Leben.

Vernetzt, aber einsam

Wenn über digitale Medien gesprochen werde, meinten viele Erwachsene, nur Jugendliche wären betroffen – doch wissenschaftliche Studien zeigten, dass es alle Altersgruppen angehe, betonte Dr. Leaf. Wir profitieren von den sozialen Medien, keine Frage: Soziale Medien informieren, sie verbinden Menschen, ermöglichen es, sich auszutauschen und andere am eigenen Leben teilhaben zu lassen. Doch ihre Nutzung sollte bewusst geschehen, denn Studien belegen, dass der falsche Umgang mit sozialen Medien unsere Art zu denken verändern kann.

Eine Schwierigkeit: Die Art von Austausch und Kommunikation über Facebook und Co. ist nicht tiefsinnig. Sie täuscht die Beziehung zu vielen Menschen vor, die jedoch so oberflächlich sind, dass sie zu Einsamkeit führen kann, aus der wiederum andere Krankheiten entstehen können. Vielen Menschen geht es in den sozialen Netzwerken nicht um Freunde, sondern um Likes. Man möchte positive Reaktionen bekommen auf das eigene Aussehen oder den Erfolg. Es geht nicht um tiefgehende Beziehungen, sondern um eine Stärkung des Egos. Gerade für Schüler und Schülerinnen ist das eine große Gefahr, denn ihr Selbstwertgefühl ist noch nicht ausgereift und kann enorm geschädigt werden, wenn die Wertschätzung ausbleibt.

Stress am Smartphone

Zudem prasseln über die digitalen Medien täglich so viele Informationen auf uns ein, dass wir längst nicht mehr tiefgehend darüber nachdenken können. Überfliegen wir lediglich die Schlagzeilen, die unser Handy anzeigt, können wir uns gar nicht auf die Informationen einlassen und verarbeiten. Die Folge: Wir schaden unserem Gehirn und somit auch unserer Kreativität. Wird das Handy beim Essen genutzt, kann allein der Gebrauch die Verdauung stören. Sich mit jemandem zu unterhalten, der ständig auf sein Handy starrt, kann sogar toxischen Stress auslösen, erklärte Dr. Leaf.

Wenn eine Nachricht oder eine Meldung auf unserem Monitor oder auf dem Display unseres Handys erscheint, reagieren wir entweder positiv oder negativ. Das ist
entscheidend, denn unsere Reaktion hat Auswirkungen auf unser Denken und unser Denken wiederum wirkt sich auf unseren Körper aus. Auf Facebook oder Instagram können wir beispielsweise verfolgen, was Freunde oder Bekannte tun und erleben. Gepostet wird jedoch meist nur das Positive – man rückt sich ins beste Licht.

Erscheint uns beim Lesen eine Person erfolgreicher, intelligenter oder attraktiver – oder tut etwas, das wir selbst gerne tun würden, passiert es leicht, dass wir mit Eifersucht, Wut oder Enttäuschung reagieren. In diesem Moment senden wir ein Signal an unser Gehirn. Dieses Signal führt dazu, dass die Struktur unseres Hirns verändert wird, was wiederum Auswirkungen auf unseren Körper haben kann.

Wie nutzen wir die sozialen Medien?

Sind wir negativ oder niedergeschlagen, schädigt das unsere Gedankenstruktur und in der Folge unseren Körper: Eine negative innere Haltung steigert die Wahrscheinlichkeit zu erkranken um 75 bis 98 Prozent! Aus den negativen Gedanken auszubrechen ist schwer, denn je länger wir in einem solchen Zustand der Bitterkeit, Eifersucht und Wut bleiben, desto stärker wird der Kreislauf, in dem wir diese Gedanken pflegen.

Andersherum führen Gedanken, die einen positiven Ursprung haben, zu neuen positiven Gedanken. Auch diese verändern unsere Gehirnstruktur: Sie fördern unser Denken und damit auch unser Verhalten und unser Reden. Deswegen ist es entscheidend wichtig, wie wir die sozialen und andere digitale Medien nutzen. Sind unsere Reaktionen positiv? Fördern sie unser Denken und wirken sich positiv auf Hirnstrukturen und unseren Körper aus? Wir müssen ganz genau überlegen, worauf wir uns tagtäglich einlassen, denn es bestimmt unsere Zukunft. Es bewirkt Veränderungen in uns und in den Menschen, mit denen wir in Kontakt stehen. Wichtig sei es, erklärte Dr. Leaf, sich eines bewusst zu sein: Die sozialen Medien kontrollieren nicht uns, sondern wir kontrollieren sie.

Ruhephasen entscheidend

Im Durchschnitt beschäftigen wir uns etwa acht Stunden täglich mit digitalen Medien. Wirklich gesund agieren können unser Körper und Gehirn aber nur mit täglich zwei Stunden vor dem Bildschirm. Bei Menschen, die tagtäglich an einem Computer arbeiten müssen, wird diese empfohlene Zeit weit überschritten. Darum ist es ratsam, alle 45 Minuten eine Pause einzulegen und dem Verstand Abstand zu gönnen. Optimaler Weise ist eine solche Entspannungsphase zwischen fünf und 15 Minuten lang. Dadurch werden die internen Vernetzungen unseres Gehirns aktiviert. Dieses Netz muss rund um die Uhr arbeiten. Eine Pause ermöglicht, dass es quasi „neu gestartet“ werden kann. Unsere kognitive Flexibilität, Kreativität und Intelligenz werden gesteigert. Wir fühlen uns weniger erschöpft, sind weniger reizbar und weniger frustriert.

Allzu häufig geschieht in unserem Leben zu viel – viel zu viele Reize prasseln auf uns ein, wir werden zu sehr in Anspruch genommen. Die Folge ist, dass Menschen unter diesen Anforderungen zusammenzubrechen. Sind wir ständig mit den digitalen Medien verbunden, haben wir das Gefühl dauernd gefordert zu sein und können nicht abschalten. Auf lange Sicht schädigen wir unsere Gehirnstrukturen und unseren Körper. Deshalb ist es entscheidend wichtig, sich gezielt Ruhephasen im Alltag einzuräumen. Wenn wir einen solchen gesunden Umgang mit den digitalen Medien pflegen, dann können Reparaturen der Gehirnstrukturen erfolgen, die internen Vernetzungen werden geordnet.

Es ist wichtig, genau zu entscheiden, wie wir Technologien nutzen und welches Zeitfenster wir ihnen schenken. Allzu leicht lassen wir uns von ihnen ablenken. Doch Gott hat uns dazu befähigt, bewusst zu kontrollieren, wie wir entscheiden und handeln. Er hat uns ein leistungsfähiges Gehirn geschenkt, um unseren Alltag zu bewältigen. Durch den digitalen Wandel hat sich vieles verändert. Manches ist hilfreich, doch die Schattenseite ist der Missbrauch der digitalen Medien. Er führt zu einem Anstieg von Depressionen und Angstzuständen. Außerdem besteht die Gefahr einer Sucht: Die Abhängigkeit von den neuen Technologien kann dieselben Symptome haben wie der Missbrauch von Drogen.

Was prägt uns?

Doch wir sind den Medien nicht hilflos ausgeliefert: Jeder Mensch hat täglich die Möglichkeit, die Informationen anzunehmen oder abzuwehren, die über Computer, Tablet oder Smartphone auf uns einströmen wollen. Manchmal müssen wir uns dieser Entscheidung mehrfach täglich stellen. Schlussendlich hat diese Entscheidung aber Einfluss auf unsere Arbeit, unser Studium, auf unsere Familie und auch unser geistliches Leben. Wir können die neuen Technologien auf gesunde oder ungesunde Weise nutzen. Unser Gehirn braucht eine ausgewogene Lebensweise, damit beispielsweise Angstzustände nicht aufkommen oder verringert werden.

Die Fähigkeit zu denken, kommt von Gott allein, denn dadurch sind wir mit ihm verbunden. Unser Verstand ist dazu geschaffen, auf Gottes Wort zu hören. Wenn wir beten, tauchen wir voll und ganz in Gottes Liebe ein. Stimmen unsere Gedanken mit Gottes Wort und seiner Liebe überein, reagieren wir in Liebe. Wir haben die Wahl: Durch unsere Gedanken können wir unsere Umwelt positiv verändern. Wodurch wir sie prägen lassen, ist unsere Entscheidung, unterstrich Dr. Leaf an diesem lehr- und segensreichen Wochenende.


Meike Rösel, Mitarbeiterin im Missionswerk

 

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