Spenden

Unser Verhalten kann so geistlich und richtig aussehen, wie es will: Ohne eine lebendige Beziehung zu Gott hat es keinen Wert. Lies hier Daniel Müllers Plädoyer für mehr Christus und weniger Christentum.

Als unsere Kaffeemaschine defekt war, schaute ich bei YouTube, wie man sie richtig repariert. Man findet dort sehr viele Anleitungen dafür, wie man etwas richtig macht. Es gibt auch viele Predigten darüber, wie man als Christ richtig lebt. Alles gut. Aber es stellt sich die Frage: Machen wir nur alles richtig oder tun wir das Richtige?

Wir können richtig mit dem Handy telefonieren, während wir mit 150 km/h über die Autobahn brettern. Das Richtige aber wäre, das Handy wegzulegen und auf den Verkehr zu achten. Wir können richtig beten: „Herr, rette die Welt!“, ohne unseren griesgrämigen Nachbarn zu lieben, wertzuschätzen und ihm zu vergeben. Das aber  wäre das Richtige. Das Gebet ist bibelkonform. Sind es unsere Taten auch?

Auch Paulus wusste, dass manches richtige Verhalten – selbst wenn es „geistlich“ ist – noch lange nicht das Richtige ist. Er schreibt in 1. Korinther 13,1:

„Wenn ich in den unterschiedlichsten Sprachen der Welt, ja, sogar in der Sprache der Engel reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie ein dröhnender Gong oder ein lärmendes Becken.“ 

Paulus betont hier: Weil Gott selbst Liebe ist (1. Johannes 4,8.16), ist die Liebe das Höchste und Richtige. Weil Gott uns seine Freunde nennt (Johannes 15,15), zählt die liebevolle Gemeinschaft mit ihm. Richtig religiös zu beten, ist nicht dasselbe wie liebevolle Gemeinschaft mit Gott zu haben. Das Richtige können wir aus dieser Beziehung mit Gott tun.

Wie in einer Ehe

Wenn wir unsere Beziehung zu Gott einmal mit einer Ehe vergleichen, entdecken wir schnell, worum es geht. Wir können ein halbes Jahr lang einen Ehe-Kurs unter dem Titel absolvieren: „Wie verhalte ich mich in der Ehe richtig?“ Wir können darüber nachdenken, wie wir uns richtig verlieben, richtig verloben, richtig die Hochzeitsfeier planen. Doch spannend wird es danach: Tun wir das Richtige in spontanen Herausforderungen? Es wäre absurd, wenn wir nur eine Liste befolgen: zweimal küssen pro Tag, dreimal sagen „ja, mein Schatz“. In einem Ehe-Kurs muss es darum gehen, eine intime Beziehung einzuüben. Ohne sie steigt auch das Begehren zu einem anderen Partner und zu Pornographie. Wenn die Beziehung stimmt, ruft die Sünde nicht. Viele Scheidungen wären kein Thema, wenn auch intime Beziehung gelebt würde.

Ähnliches gilt in der Beziehung mit Gott. Ohne eine intime Beziehung werden wir schnell untreu und suchen Hilfe, wo sie am nächsten ist oder verstricken uns in Sünde. Wenn wir dann in Notlagen geraten, gehen wir zu Gott und sagen: „Ich dachte, in der Bibel steht, du liebst mich.“ Das Problem entsteht, wenn wir mehr mit dem „Christsein“ beschäftigt sind als mit Christus. Tun wir das Richtige und leben in einer engen Beziehung zu Gott – oder befolgen wir nur richtige Regeln?

Beziehung statt Gesetz

Um Regeln ging es den Pharisäern, den gebildeten Schriftgelehrten in Jerusalem, die Religiosität vom Feinsten aus großer Überzeugung lebten. Zur gleichen Zeit war Jesus in der Stadt, der jedem sozusagen den direkten Draht zu Gott angeboten hat. Für Pharisäer gab es nur Gesetze und Strafe, keine Vergebung. Den, der Vergebung lehrte, haben sie bestraft. Pharisäer machten gesetzmäßig viel richtig, aber sie taten nicht das Richtige! Auch Saulus war Pharisäer und machte nach dem religiösen Gesetz alles richtig. Die Christen, die eine Beziehung zu Jesus hatten, verfolgte er. Erst nachdem Saulus Jesus begegnet war, lebte er mit ihm in Beziehung und tat das Richtige. 

Im Alten Testament lesen wir von Hofni und Pinhas, den beiden Söhnen des Propheten Eli. Sie übernahmen von ihrem Vater den Priesterdienst in der Stadt Silo. Sie taten das, was ihr Vater ihnen gezeigt hatte. Es sah für das Volk religiös richtig aus. Aber sie hatten keine Beziehung zu dem, für den sie es taten. Sie bereicherten sich an dem Fleisch, das geopfert wurde. Ihr Dienst war für sie nur ein Job. 

Die beiden Söhne Elis taten den Priesterdienst nie zur Ehre Gottes. Sie wollten keine Herzensbeziehung mit Gott. Sie begehrten den Segen – das Opferfleisch. Sie missbrauchten ihren Status. Priesterliche Tätigkeit ohne priesterliche Hingabe ist wertlos. Petrus ermuntert in seinem Brief stattdessen zu einer lebendigen Beziehung, die vom Heiligen Geist geprägt ist:

„Lasst auch ihr euch als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus aufbauen. Dann könnt ihr Gott als seine Priester dienen und ihm Opfer darbringen, die der Heilige Geist in eurem Leben gewirkt hat. Weil ihr zu Jesus Christus gehört, nimmt Gott diese Opfer an“ (1. Petrus 2,5).

Christsein bedeutet nicht, christliche Rituale richtig zu tun. Rituale haben keine Bedeutung in einer wahren Gemeinschaft mit Gott. Christsein bedeutet, eine lebendige Beziehung zu pflegen, in der wir uns der Bibel verantwortlich fühlen, statt nur traditionellen Gehorsam zu leisten. Wie sieht es in deiner Beziehung zu Gott aus?

Lebst du Beziehung oder bist du nur Christ?

Ich vermute, dass wir in eine Zeit hineinkommen, in der sich Christen, die nicht in einer engen Beziehung mit Gott leben, dem Lebensstil der Welt anpassen, weil sie nicht die Wahrheit kennen, die in der Beziehung gelebt wird. Sind beispielsweise derzeit die Verschwörungstheorien für dich interessanter als die Gemeinschaft mit Gott? Geistliche Untreue ist einfach, abwechslungsreich und zeitgemäß. Aber in dieser Zeit ist es die sanfte Verführung – die vom Ziel wegführt, nämlich dass Jesus gestorben ist, damit wir eine ewige Beziehung zum Vater leben können. Was für eine Gnade: Wir können uns immer und egal, wo wir sind, für diese wunderbare Beziehung entscheiden.

Daniel Müller, Leiter des Missionswerk Karlsruhe

Deine persönliche Mail aus Karlsruhe