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Als Christen sind wir aufgefordert, unsere Umgebung zu verändern. Möglicherweise passiert das aber anders, als wir es uns vorstellen. Lies hier Daniel Müllers Gedanken dazu.

LIEBEN – WERTSCHÄTZEN – VERGEBEN

 

Unser langjähriger Freund Alan Platt aus Südafrika war im Januar bei uns. Er sagte: „72 Prozent der Christen, die Gottesdienste besuchen, wissen nicht, wie sie das Gehörte im Alltag umsetzen können.“ Für mich war das eine wichtige Bestätigung für die Fragen, die mich gerade beschäftigen: Wie können wir außerhalb unserer Fernsehsendungen und Unterwegs-Einsätze Gottes Absichten für die Menschen in das deutschsprachige Europa bringen? Wie können wir unsere Umgebung verändern? Mir wird immer stärker bewusst, dass wir genau das weitergeben sollen, was Jesus tat, als er auf der Erde war. Er hat sehr wenig in Synagogen zu Menschen gesprochen. Fast immer war er im Alltag bei den Leuten und hat ihnen dort gezeigt, wie sie miteinander umgehen sollen und wie darin Gottes Wille mit all seinen Auswirkungen sichtbar wird.

Warum sollten Menschen in die Kirche kommen?

Als ich das mit einem guten Freund diskutierte, sagte er: „Welchen Grund hätte ein Mensch aus der Gesellschaft in ein Kirchengebäude zu kommen? Was würde er bekommen, das es draußen nicht gibt?“ Das bestätigte meine Aussage, die ich oft in meine Predigten einbaue:

„Jesus kam nicht für eine kraftlose Kirche, sondern für die Menschen.“

 

Ich möchte damit keineswegs die gute Arbeit der Kirchen niedermachen. Aber Kirchen und Gemeinden haben oft einen Club-Charakter: Menschen kennen sich, lieben einander und sind gemeinsam mit Gott unterwegs. Ich sehe, dass sich viele Gemeinden mit einer kleinen Evangelisationsgruppe zufriedengeben, um die Menschen draußen zu erreichen. Sie bestehen aus leidenschaftlichen Christen, die einen aufopfernden Dienst tun – doch noch besser wäre, wenn alle Christen mehr Bibelinhalt mitten in der Gesellschaft leben, solange sie auf dieser Erde sind.

Liebe oder Angstmache?

Mir fällt auf, dass der Buddhismus beispielsweise nicht mit seinem Namen wirbt, sondern mit seinem Produkt: „Wellness“. Damit kann jeder etwas anfangen, viele brauchen sie und nehmen sie gerne in Anspruch. Nicht alles, was Wellness ist, ist auch buddhistisch. Aber sehr viele Praktiken haben ihren Ursprung im Buddhismus. Auch die Esoterik wirbt mit einem positiven Angebot, etwa der „inneren Kraft in dir“. Am Okkultismus locken die verborgenen und geheimen Kräfte.

Das Christentum dagegen stellt oft Aussagen voran wie: Der Mensch ist von Grund auf schlecht, du bist ein Sünder und du kommst in die Hölle! Das alles sind Wahrheiten. Aber warum versuchen wir, mit Angstmache zu werben? Werden wir so jemanden verändern? Ist denn nicht das größte Gebot die Liebe (Matthäus 22,36-39)? Ist nicht Gottes Liebe die Grundlage für die Entscheidung eines Weltmenschen, Jesus nachzufolgen?

Mon Chérie oder Kalorie?

Ich möchte das an einem kleinen Beispiel erklären. Wir haben einen französischen Mitarbeiter, der Jean-Marie heißt. Trotz unserer örtlichen Nähe zu Frankreich spricht hier niemand französisch und eine Mitarbeiterin begrüßte ihn mit: „Hallo Mon Chéri!“ Die alkoholhaltige Praline klingt in unseren deutschen Ohren einfach zu ähnlich wie sein Name. Ich lachte und fragte ihn, was „Mon Chéri“ eigentlich bedeutet. Er sagte: „Mein Schatz“!

Geschickter Name, dachte ich. Genaugenommen könnte die Praline auch „Hilfe, Kalorien!“ oder „Achtung Alkohol – ganz gefährlich!“ heißen. Das klänge natürlich wenig verlockend. Warum verpacken wir Christen dagegen das Evangelium – die beste Botschaft überhaupt! – so unattraktiv? Menschen haben heute schon genug Angst. Wir alle sehnen uns nicht auch noch nach einer Religion, die Angst macht. Deshalb sollten wir nicht ausgerechnet damit werben.

Religiosität oder Veränderung?

Ich glaube, es würde einen großen Unterschied machen, wenn Christen die Werte ihres Glaubens im Alltag leben würden – so wie es Jesus getan hat. Er lebte mitten unter den Menschen: Er sprach mit ihnen, hörte ihnen zu, half ihnen, bot ihnen Heilung an und begegnete mit seinen ganz anderen Werten den Situationen, in denen sie steckten. Er lebte null Religiosität vor! Jesus war nicht bekannt dafür, Wert auf bestimmte Gebete, christliche Symbolen oder Kirchenangehörigkeit zu legen. Als Jesus auf der Erde lebte, war ihm dreierlei wichtig: 

LIEBEN – WERTSCHÄTZEN – VERGEBEN

LIEBEN

Jesus begegnete jedem mit seiner bedingungslosen Liebe. Mit einer Liebe, die keine Vorleistung, keinen liebenswerten Zustand fordert. Seine Liebe ist bedingungslos. Mit dieser Liebe dürfen wir uns von Gott lieben lassen und mit ihr dürfen wir anderen begegnen (Johannes 15,12; 1. Johannes 3,1; 4,19).

WERTSCHÄTZEN

Obwohl Jesus ihr Lehrer war, hat er seinen Jüngern die Füße gewaschen (Johannes 13,14). Er hat Menschen Ehre und Respekt erwiesen. Geh nicht achtlos an Menschen vorbei. Finde das (vielleicht sehr kleine) Positive an ihnen heraus und wertschätze es. Wir sind aufgerufen, andere anzunehmen und ihnen Gutes zu tun (Römer 15,7; 1. Thessalonicher 5,15).

VERGEBEN

Schon im Vaterunser ist die Dringlichkeit der bedingungslosen Vergebung mit eingebaut (Matthäus 6,14). Wenn wir vergeben, setzt uns das selbst für unser eigenes Leben frei. Zu richten, was falsch am anderen ist, überlassen wir somit Gott. Bringe deinen Groll zu Gott, gib ihm deine negativen Gefühle und vergib bereitwillig (Epheser 4,32; Kolosser 3,13).

Wenn wir LIEBEN – WERTSCHÄTZEN – VERGEBEN zu unserem Lebensstil machen, dann tragen wir das Echte unseres Glaubens an Jesus in unsere Gesellschaft hinein. Ich sehe eine große Not darin, dass wir Christen es nicht einmal schaffen, diesen Lebensstil innerhalb der Mauern unserer Gotteshäuser zu führen.

Paulus schreibt: „Wenn ich keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz“ (1. Korinther 13,1). Ohne Liebe wären wir also so etwas wie ein dröhnender Gong. Wir sind dann ein Club, der sich an Gott erfreut, aber der Welt da draußen nichts zu sagen oder zu bieten hat. Bevor du Leute richtest, stelle dir ehrlich die Frage: Lebe ich öffentlich den Lebensstil Jesu? Liebe ich Menschen? Wertschätze ich Menschen? Vergebe ich Menschen?

Willst du mit dem Evangelium in der Welt einen Unterschied bewirken? Möchtest du dein Umfeld verändern? Dann fange an, LIEBEN – WERTSCHÄTZEN – VERGEBEN in deinem Leben umzusetzen. Nicht als Pflicht eines Christen, sondern weil du selbst zutiefst von Gott geliebt bist und diese Liebe weitergeben möchtest. Wie bei Jesus wird ein solcher ungezwungener Lebensstil seine Wirkung haben.

So geht’s praktisch

  • Wenn du im Supermarkt einkaufst, sage der Frau an der Kasse ein nettes Wort und wünsche ihr „Gottes Segen“.
  • Steigere dich nicht in den Ärger über den ungemütlichen Arbeitskollegen, sondern lerne, seine positiven Seiten zu sehen und lass dir von Gott Liebe für ihn schenken.
  • Achte darauf, an welchen Menschen du bisher vielleicht achtlos vorübergehst. Sieh ihnen in die Augen, denke über ihre Qualitäten nach und lobe sie dafür.
  • Überlege dir, wie du Menschen in deinem Umfeld Gutes tun kannst. Wem kannst du Gebet anbieten? Wem würde ein Besuch gut tun? Wem kannst du von deinem Überfluss abgeben?
  • Wenn dir jemand Unrecht getan hat, sprich in deinem Herzen Vergebung aus. Bitte Gott, dir deinen Groll, deinen Unmut und deine Bitterkeit zu nehmen. Wenn sich negative Gefühle wieder einnisten wollen, bleib vergebungsbereit und bitte Gott, dir seine Liebe zu schenken. 

LIEBEN – WERTSCHÄTZEN – VERGEBEN ist zuerst eine Sache der Einstellung und dann des Verhaltens. 

Es gibt das schöne Zitat:

„Predige das Wort zu jeder Zeit; wenn nötig, benutze Worte.“

 

Man könnte auch sagen: „Lebe deinen Glauben und wenn andere fragen, rede darüber.“ Wie wir leben, wie wir lieben, wertschätzen und vergeben, spricht Bände. Für die Menschen, die uns begegnen, sind wir ein Brief von Jesus, den sie lesen (2. Korinther 3,3). Wir sind die Aushängeschilder für unseren Glauben. Werben wir mit Gottes Liebe für unseren Glauben? Ist der Brief an unsere Freunde, Nachbarn und Kollegen voller Respekt und Vergebungsbereitschaft?

Triff eine Entscheidung für dein Leben in dieser Gesellschaft: Fang an, LIEBEN – WERTSCHÄTZEN – VERGEBEN in deinem Alltag zu leben. Du bringst damit das Königreich Gottes in deine Umgebung und sie wird dadurch verändert! Die Menschen werden fragen und erkennen, wodurch die Veränderung geschieht.


Daniel Müller,
Leiter des Missionswerk Karlsruhe

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