Daniel Müller erinnert sich an den großen Evangelisten Reinhard Bonnke, der über viele Jahrzehnte eng mit dem Missionswerk verbunden war.

In der Zeit, als ich ein Schuljunge war, besaß mein Vater eine Baufirma und mein Großvater leitete eine Gemeinde, die er 1945 gegründet hatte. Sie hieß „Gemeinschaft entschiedener Christen“ und war der Ort für viele Großveranstaltungen mit Predigern wie William Branham, T. L. Osborn, Tommy Hicks, Paul Cain und anderen. Mein Großvater suchte einen Missionar, um die Reichweite seiner Arbeit weiter zu vergrößern, und wandte sich an die Velberter Mission. Dort bot man ihm die Option, einen jungen Evangelisten mit einem großen Herzen für Afrika auszusenden. Ich kann mich noch gut an den Aussendungsgottesdienst 1967 bei uns in der Bachstraße erinnern: Es war kein anderer als Reinhard Bonnke – der Evangelist, der bekannt wurde für seine Großveranstaltungen in Afrika, die von bis zu mehr als einer Million Menschen besucht wurden. 

Erwin Müller und Reinhard Bonnke in Afrika
Großvater Erwin Müller (links) mit Reinhard Bonnke in Afrika
Rundfunk-Programm Missionswerk
Bei Radio Luxemburg waren Müllers und Reinhard Bonnke regelmäßig im Programm
Magazin Der Weg zur Freude
Bis 1981 erschien der Missionsbericht aus Südafrika in unserer Zeitschrift

Nun eine Missionsgemeinde

Mein Vater, fünf Jahre älter als Reinhard, freundete sich schnell mit ihm an und besuchte ihn später auch in Afrika. Auch mein Großvater flog nach Afrika, als wir die Bibel-Fahrradaktion unterstützten, bei der junge Männer als Fahrradevangelisten ins Land geschickt wurden. In dieser Zeit begann mein Vater, neben seiner Baufirma das Wort Gottes über Radio Luxemburg zu verbreiten. Reinhard Bonnke war oft bei uns im kleinen selbstgebastelten Studio zu Rundfunk-Aufnahmen für unser Programm. Die kleine Druckerei unserer Radiomission, mit der wir die Traktate druckten, hat mein Vater eines Tages zusammengepackt und nach Afrika geschickt. Sie war der Grundstein für eine später wachsende große Druckerei in Afrika, mit einer ausgebildeten Druckfachkraft aus Deutschland.

„Deshalb geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden.“ Matthäus 28,19

 

Ich habe mir die Mühe gemacht, einmal herauszusuchen, wie lange wir Reinhard monatlich in Afrika unterstützt und den Bericht von seiner Missionsarbeit in unserem Magazin abgedruckt haben: Unsere Unterstützung lief noch bis zum Jahr 1981. 

Um 1970 übernahm mein Vater Siegfried die Gemeinde von meinem Großvater. Da wir durch unser Engagement in Afrika und in den Medien nun eine Missionsgemeinde waren, änderte mein Vater den Namen in „Missionswerk Der Weg zur Freude“. Seither war mein Vater auch sehr evangelistisch in Deutschland und der Schweiz unterwegs. Viele Jahre hat Reinhard uns besucht, unserer Gemeinde von Afrika berichtet und es war ansteckend, wie sehr er dafür brannte, Menschen zu Jesus zu führen. Er war für meinen Vater auch eine große Inspiration in seiner Art und Weise, das Evangelium zu predigen. 1974 gründete er mit Mitgliedern aus unserer Gemeinde den Verein „Christus für alle Nationen“ (CfaN) in Deutschland. 

Reinhard Bonnkes Vision für uns

2015 war Reinhard Bonnke letztmalig bei uns in Karlsruhe und veranstaltete eine Schule für Evangelisation. Er berichtete von seinem Werdegang, von seinem Durchbruch nach einigen Jahren als Missionar. CfaN wuchs in großen Schritten und Reinhard Bonnke sah, wie seine Berufung zur Seelenernte in unbeschreiblichem Ausmaß in Erfüllung ging. Als Isolde und ich ihn 2018 zu Hause besuchten, tauschten wir viele Erlebnisse aus der Gründerzeit aus, die uns bis heute bewegen. Wir trafen einen Missionar an, der zwar von seiner Krankheit geschwächt war, aber in dem das Feuer nicht nachgelassen hatte. Er erzählte uns von den Erfolgen, aber auch von schwierigen Zeiten.

Es ist für Isolde und mich ein großes Vorrecht, diese drei Tage mit ihm verbracht zu haben. Er freute sich mit einer so kindlichen Freude darüber, dass wir mit unserem Evangeliumsbus in verschiedene Städte fahren, um das Evangelium zu verbreiten. 

Isolde und Daniel Müller mit Reinhard und Anni Bonnke, 2018
Isolde und Daniel Müller mit Reinhard und Anni Bonnke, 2018

Zum Abschluss nahm er uns beiseite, legte seine Hände auf uns und segnete uns. Er sah im Geist, dass wir viele Busse haben werden, und sagte: „Ihr werdet in der Zukunft die größten Hallen haben und sie werden sich mit Menschen füllen, die das Evangelium hören.“

In Gottes A380

Im Mai 2019 war Reinhard ein letztes Mal in Hamburg. Isolde und ich konnten damals nicht dabei sein und hörten uns im Dezember seine Predigt an. Er sprach dabei unter anderem vom A380. Für mich war das zutiefst bewegend, denn erst im November hatte ich einen Gutschein für einen Flugsimulator für den A380 eingelöst, den mir meine Kinder zum 60. Geburtstag geschenkt hatten. Ein Pilot zeigte mir, wie man einen A380 startet und fliegt, welche Hebel und Schalter man bedient und es war für mich beeindruckend, dieses Flugzeug eine Stunde lang im 1:1-Simulator fliegen zu dürfen. 

Daniel Müller im Flugsimulator
Daniel Müller im Flugsimulator

Am 7. Dezember 2019 hat Reinhard seinen A380 (wie er es nannte) in die himmlische Heimat erhoben und darf nun bei Jesus sein. Im Rückblick bekommt für mich so manches eine neue Bedeutung. Viele Puzzleteile fügen sich zusammen. Vor fast zwei Jahren war ich mit dem Skipper und Männer-Coach Dirk Schröder einige Tage auf dem Meer unterwegs. Dirk sagte zu uns neun Männern: „Sucht euch jeder einen Platz mit guter Aussicht auf das Meer und lasst euch von Gott zeigen, was er mit euch vorhat. Nicht nur das, was ihr euch vorstellen könnt, sondern auch das für euch Unmögliche, das Gott mit euch vorhat.“ Ich schrieb eine ganze Seite voll Notizen, in denen stand: 

  • größte Hallen voll mit Menschen, die in einer nicht dagewesenen Art und Weise Gott erleben,
  • 33 Millionen Menschen, die in unserem deutschsprachigen Europa zu Jesus finden,
  • ein Lobpreis mit Orchester und Gegenwart Gottes, wie es noch nirgends auf der Erde Realität war. 

 

Über die 33 Millionen Menschen habe ich zunächst mit niemandem geredet, bis Christoph Häselbarth seine Vision veröffentlichte, dass in den nächsten Jahren 30 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum Gott begegnen werden. Ich glaube, dass dies geschehen wird. Indem die Kraft des Heiligen Geistes offenbar wird, werden Ungläubige überzeugt. Das Wort, das verkündet wird, wird bestätigt werden.

Wir erleben immer mehr Zeichen und Wunder in unserem Dienst und Menschen kommen ohne Aufruf zu uns, um ihr Leben Jesus zu geben. 

„Ich möchte den Hebel auf volle Schubkraft stellen, damit Menschen die Kraft des Heiligen Geistes erleben.“

 

Wenn ich mich jetzt zurück in die Pilotenkanzel des A380 versetze, möchte ich den Hebel für die vier Düsen mit je 35.000 PS auf volle Schubkraft stellen, um die Menschen um uns herum, Menschen im deutschsprachigen Europa, die Kraft des Heiligen Geistes erleben zu lassen. Ich wünsche mir, dass wir Christen in Einheit für unser Land und unsere ungläubigen Nächsten beten und mit aller verfügbaren Kraft alle Möglichkeiten nutzen, um die Größe Gottes zu verkünden. Machst du mit? Betest du dafür? 

Daniel Müller, Leiter des Missionswerk Karlsruhe

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Reinhard Bonnke ist für uns ein großes Vorbild darin, was Gott aus einem Menschen machen kann, der sich ihm bedingungslos zur Verfügung stellt. Er hatte in seinem Leben nur eins im Sinn: Menschen der Hölle zu entreißen und sie für den Himmel zu gewinnen. Auch in der Zeit seiner größten Erfolge blieb er ein demütiger Mensch, der wusste, dass er nur das Werkzeug für die mächtige Hand Gottes war. Mögen die vielen Menschen, die durch seinen Dienst inspiriert wurden, Multiplikatoren für eine reiche Seelenernte sein und sich dahin entwickeln, die richtige Person am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, um von Gott gebraucht zu werden!

Am 6. Dezember 2019 ist Reinhard Bonnke im Kreis seiner Familie von Jesus heimgerufen worden. Wir denken an seine Frau Anni, seine erwachsenen Kinder Kai-Uwe, Gabriele und Susanne mit acht Enkelkindern und freuen uns auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit.

Daniel & Isolde Müller

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