Spenden

Kann man beim Segeln etwas über Gott und das Leben lernen? Ja, meint Daniel Müller und lässt dich teilhaben an seinen Eindrücken und Erfahrungen, die er auf einem 7-tägigen Törn gewonnen hat.

Anfang Mai war ich mit zehn Männern auf einem Segelboot in Kroatien. Meine Frau Isolde hatte mir dieses Seminar geschenkt. Schon immer wollte ich einmal segeln, voll im Wind – bei Perspektiven, Horizont und Wasser geht mir das Herz auf. Es zeigt mir Gottes Dimensionen.

Der Coach Dirk Schröder war unser super Skipper, der Kapitän unseres kleinen Schiffs. Unsere Crew bestand aus neun Männern in verantwortungsvollen Positionen in Beruf und Familie. Schon beim Start waren wir eine Einheit. Am ersten Morgen lagen wir in einer schönen Bucht. Wir tauschten uns aus über einen Psalm – und bei uns Männern flossen die Tränen. Gottes Gegenwart auf diesem Schiff war so mächtig und sollte es in den kommenden Tagen auch bleiben, egal, ob wir Input hörten, kochten, putzten, Segel setzten, das Boot steuerten oder Lebensmittel einkauften.

In den sieben Tagen erlebten wir keine einzige unangenehme Situation oder Auseinandersetzung. Ich brauchte anschließend anderthalb Tage, um die Erlebnisse meiner Frau zu erzählen, und berichtete einen halben Tag lang unserer Gemeinde davon. Dieser Segeltörn war eine Zeit, in der Gott mich auf diese Weise in seiner Nähe haben wollte. Ich könnte ein ganzes Buch schreiben über diese Reise und wie Gott in der Symbolik des Segelns zu meinem Herzen sprach. Ich versuche hier, ein Erlebnis zu schildern, das mein Denken verändert hat.

Wenn der Wind kommt

Ich freute mich sehr, dass die Gebete meiner Schwiegermutter erhört wurden und nicht das eigentlich vorhergesagte schlechte Wetter über uns kam. Wir frühstückten bei blauem Himmel und Sonne über uns. Traumhafter ging es kaum. Unsere selbst geschmierten Butterbrote mit Honig oder Marmelade schmeckten herrlich. Dann hatten wir eine Zeit mit Gott.

Auf einmal sagte unser Skipper Dirk: „Leute, ich sehe da vorne Wellen – es kommt Wind auf! Crew, alles fertigmachen zum Start: Rettungswesten anlegen, gute Schuhe anziehen, jeder auf seine Position!“ Und damit fuhren wir aus der Bucht heraus. Ich dachte: Oh, da vorne kommen Wolken … Einer sagte: „Blauer Himmel und guter Wind passen fürs Segeln nicht zusammen!“

Nachdem wir am Vortag bei dem schönen Wetter nur mit Motor hatten fahren können, war jetzt bei allen das Verlangen groß, im Wind zu segeln. Und es geschah! Wir steuerten das offene Meer an und fuhren mit etwa 45 Grad Neigung volle Fahrt voraus. Nie im Leben habe ich mir vorstellen können, was das für einen Spaß macht! Ich liebte immer die glatte See und Sonnenschein. Aber jetzt war das Meer rau.

Schwerer Kiel

Jeder hatte vom Skipper genaue Anweisungen bekommen, die absolut zu befolgen waren, weil man sonst die ganze Crew in Gefahr brachte. Der Wind blies unsere Jacken auf. Um ein Foto zu machen, mussten wir uns an ein Seil klammern, um nicht über Bord zu gehen. Die ganze Mannschaft war so lebendig und glücklich, die vom Wind prall gefüllten Segel über uns zu sehen und die Wucht zu spüren, mit der unser Schiff das Meer durchschnitt.

Angst hatte niemand. Der Skipper hatte uns vorher erklärt, dass dieses Schiff nicht kentern konnte. Es war für mich, als würde Jesus zu uns sagen: „Auch wenn es stürmt und dein Schiff schwankt – du gehst nicht unter.“ Unser Kiel, das schwere Rückgrat unter dem Schiff, ist so konstruiert, dass es uns bei einer Schieflage sofort wieder aufrichten würde. Das mussten wir Männer natürlich ausprobieren – es funktioniert! Ein solcher Kiel ist wie ein Fundament im Leben.

Geschaffen für das offene Meer

Nachdem wir eine Weile volle Fahrt voraus gefahren waren, gerieten wir in eine Wellensituation, bei der mir furchtbar übel wurde. Das Schiff hatte kaum noch Wind und schaukelte in alle Richtungen – auch das ist ein Bild für das Leben. Als ich den Zehn-Liter-Eimer in die Hand bekam, war es um mich geschehen: Ich sah mein Frühstück wieder vor mir. Das löste eine kleine Kettenreaktion bei anderen Crewmitgliedern aus. Wir sehnten uns danach, schnellstmöglich den Hafen zu erreichen. An einer sehr schönen Stelle im Hafen legten wir schließlich an. Alle, denen es schlecht ging, setzten sich aufgereiht hinter das Schiff, die schwankenden Segelboote vor Augen. Wir begannen wunderbare Gespräche über den Glauben und es ging uns allen besser. Dann kam die Nacht. Das Schiff schunkelte rauf und runter, die Seile ächzten vor der Last des 24 Tonnen schweren Schiffs – plitsch, platsch, links, rechts … Wir stiegen in unsere Kojen und konnten tatsächlich einschlafen.

Um fünf Uhr wurde ich wach und dachte: Warum hat man in den Tausenden Jahren der Schifffahrt eigentlich noch nichts erfunden, damit man im Hafen ruhig liegen kann? Meine technische Fantasie ging mit mir durch – bis Gott mir etwas zeigte, das mich traf wie ein Blitz: Dieses Schiff ist nicht für den Hafen gebaut, sondern für das offene Meer! Es liegt im stürmischen Hafen wie ein Löwe, der mit vier Stricken angebunden ist. Es ist zum Vorwärtskommen bestimmt und nicht zum Liegen an der Kaimauer! Im Hafen wird man nur verschaukelt. Unsere ganze Ausrüstung – Segel, Motor, Anker, Seile, Seilwinde – waren für das offene Meer geschaffen. Ein Schiff, das den Hafen nicht mehr verlässt, ist ein Museum! Diese 24 Stunden waren für mich eine Predigt fürs Leben. Wir machen es uns gerne im Hafen gemütlich – und werden verschaukelt. Unser Lebensschiff wird zum Museum.

Voll im Wind

Am nächsten Morgen nahmen wir im Hafen symbolisch alles, was uns bedrückte, und warfen es ins Meer. Nachdem Gott in krasser Weise über seinen Willen für uns geredet hatte, stachen wir in See. Gleich nach der Hafenausfahrt rief ein Crewmitglied: „Schaut mal nach oben!“ Direkt über unseren Masten war die Sonne zu sehen und um sie herum: ein kreisrunder Regenbogen! Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Mir kamen die Tränen.

In der ganzen Woche bemühten wir uns, möglichst schnell vorwärtszukommen, um am Abend das nächste Ziel zu erreichen. Und das ging bei schlechterem Wetter besser als bei blauem Himmel. Ich lernte, dass man gegen den Wind segeln kann, wenn man Kurs, Segelsetzen und das Ruder beherrscht. Auch das war mir eine Botschaft: Bleib nicht im Hafen, nimm den Wind, der dir ins Gesicht bläst, für volle Fahrt voraus, voll im Wind. Dirk hatte den Törn mit einer Aussage begonnen, die für mich eine große Bedeutung erhielt: „Wenn du viel Gegenwind hast, traut Gott dir zu, dass du damit umgehen kannst!“

Die Wetterlage nutzen

Gott hat mich unterwegs eine Menge für das Leben gelehrt: Wir hatten unser Ziel vor Augen, unser Kiel hielt uns in der Spur und die Segel gaben uns den Antrieb. Nutzen wir also die Wetterlage des Lebens als Wind in unseren Segeln, um vorwärts ins Ziel zu kommen. Wie es in dem Sprichwort heißt: „Gott schenkt Wellen und Wind – Segel und Ruder unser sind!“


Daniel Müller, 
Leiter des Missionswerks

Unser Buchtipp

Dirk Schröder, Coach und Skipper dieses Segeltörns, erzählt in seinem Buch „Riskante Sehnsucht“ Geschichten von Männern in verschiedensten Lebenslagen, mit denen er auf dem Schiff unterwegs war. Ermutigend & inspirierend!

Deine persönliche Mail aus Karlsruhe